Zur Ausgabe
Artikel 105 / 115
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Briefe

Vom Winde verweht
aus DER SPIEGEL 2/1995

Vom Winde verweht

(Nr. 52/1994, Stadtkultur: Einkaufsparks in Ostdeutschland - lauter urbane Katastrophen)

Daß die Mammut-Verbrauchermärkte und Einkaufsparks den neu erwachten städtischen Einzelhandel und die Lebensfähigkeit der Innenstädte im Osten zerstören, ist den Verantwortlichen in Kommunen, Ländern und Bund seit 1991 bekannt. Dennoch werden diese Verkaufsmaschinen immer wieder genehmigt, und der Bund füttert sie mit höchsten Steuervorteilen nach dem Fördergebietsgesetz. Der Aufbau von kommunal und regional selbständigen Wirtschaftsstrukturen wird im Keim erstickt und damit auch die Entwicklung der kommunalen Demokratie, denn ohne eigene Wirtschaftskraft ist ein demokratisches Gemeinwesen nicht lebensfähig. *UNTERSCHRIFT: Bonn FRANZISKA EICHSTÄDT-BOHLIG MdB, Bündnis 90/Die Grünen Berlin

Während Projekte wie der »Saalepark« im Osten die Entstehung attraktiver Zentren verhindern, sehe ich im Westen zunehmend die Gefahr, daß historisch gewachsene Zentren Attraktivität einbüßen und am Ende kaputtgehen, mit verheerenden Folgen für die Sozialstruktur der Städte. Das kann jedoch nicht allein heißen, die Ansiedlung jedes weiteren Großmarktes »auf der grünen Wiese« zu verhindern; es muß heißen, in das weitgehend ungesteuerte Ansiedlungsgeschehen behutsam einzugreifen. *UNTERSCHRIFT: Delmenhorst (Nieders.) MARTIN ROHMANN Kommunalverbund Niedersachsen

Durch das penetrante Nachäffen des »American way of life« geht mehr den Bach runter, als den meisten heute bewußt ist. *UNTERSCHRIFT: Düsseldorf ROLF BOCKSTIEGEL

Die geschilderte Misere der Innenstädte ist allein hausgemacht: ständig steigende Parkgebühren, künstliche Verkehrsbehinderungen, Verknappung des Parkraums, die Diskussion um die sogenannte City-Maut. Wen wundert da noch der Exodus der Kunden und die damit verbundene Abwanderung der Anbieter an die Peripherie? *UNTERSCHRIFT: Mannheim TOBIAS TREIBER

Hellersdorf ist nicht eine »sozialistische Plattenbau-Planungsruine«, sondern nach Haushaltseinkommen der wohlhabendste Bezirk im Osten Berlins. Als die ersten Privatinvestoren vom geplanten Stadtteilzentrum Hellersdorf bereits im Jahre 1992 abgesprungen sind, hat man wegen der Verwertungsschwierigkeiten einen Neubau für unsere Fachhochschule kurzerhand ohne jegliche Beteiligung in die entstandene Baulücke projektiert. Es ist für alle eine bittere Erfahrung, zu sehen, wie im ausgetrockneten Biotop der Berliner Großen Koalition jegliches Argument gegen den sich abzeichnenden Skandal in Hellersdorf mit dem Hinweis abgetan wird: Es stehe alles, es könne nichts mehr geändert werden. In Wirklichkeit steht im sechsten Jahr nach der Wende noch gar nichts außer einem vom Winde verwehten Bauschild. *UNTERSCHRIFT: Berlin PROF. DR. CH. LABONTE-ROSET / PROF. DR. DAVID KRAMER Alice-Salomon-Fachhochschule

Zur Ausgabe
Artikel 105 / 115
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.