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Hausmitteilung von Berg

aus DER SPIEGEL 21/1986

Zweimal kam Hermann von Berg in der DDR wegen des SPIEGEL in die Klemme. 1978 wurde er vom Staatssicherheitsdienst beschuldigt, die anonymen Autoren des im SPIEGEL veröffentlichten Manifests einer SED-internen Oppositionsgruppe zu decken. 1981 geriet er unter Stasi-Verdacht, nachdem der SPIEGEL ein in der DDR zirkulierendes Solidaritätsflugblatt für die polnische Gewerkschaft »Solidarnosc« abgedruckt hatte.

Der Ost-Berliner Professor und verdiente SED-Genosse wurde rehabilitiert, aber beruflich und politisch kaltgestellt. Mit dem SPIEGEL arbeitet Hermann von Berg erst jetzt zusammen - nach seiner Übersiedelung aus der DDR in die Bundesrepublik am vorletzten Sonntag.

Erst jetzt kann der ehemalige enge Mitarbeiter von DDR-Ministerpräsident Stoph, der in offiziellen und diskreten Missionen zwischen den beiden deutschen Staaten bewährte Unterhändler, der einst linientreue Wirtschaftswissenschaftler über sein mysteriöses Verschwinden im Manifest-Winter 1978 Aufklärung geben: Acht Wochen saß von Berg damals im Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen. Erst jetzt kann er offenlegen, wie er mit dem SED-Regime, dem er vielfach nützlich war und von dem er den »Vaterländischen Verdienstorden in Silber« erhielt, aneinandergeriet; wie er - durch Erfahrung und Forschung - seinen Glauben an Marx, Lenin und den »real existierenden Sozialismus« Marke DDR verlor.

Über Hermann von Bergs Weg vom Elite-Kommunisten zum DDR-Aussteiger berichtet der SPIEGEL in diesem Heft: »Es herrscht Willkür selbst in der Partei« (Seite 58). In einem SPIEGEL-Gespräch äußert sich von Berg zum 78er Manifest, kritisiert die DDR-Planwirtschaft und wirft der SED-Führung vor, ihren durchaus vorhandenen politischen Spielraum gegenüber Moskau nicht auszunutzen: »Das System ist nicht reformfähig« (Seite 66).

In der nächsten SPIEGEL-Ausgabe erscheint ein Vorabdruck aus Hermann von Bergs neuem Buch »Marxismus-Leninismus«, in dem er das »Elend der halb deutschen, halb russischen Ideologie« beschreibt - ein »Gegenstand«, so der Autor, der »nach Empörung schreit« und »Sarkasmus fordert«.

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