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VON DIESEM DORF BLIEB NUR NOCH SAND

Sechs Wachen lang bereiste Peter Weiss Nordvietnam; er verfaßte dort einen »Bericht über die Angriffe der US-Luftwaffe und -Marine gegen die Demokratische Republik Nordvietnam nach der Erklärung Präsident Johnsons über die begrenzte Bombardierung am 31. März 1968«. Dabei stützte er sich weniger auf eigene Ermittlungen, sondern er nutzte vielmehr die »Gelegenheit, ausführliche Rapporte von verantwortlichen Stellen über die Lage in den angegriffenen Provinzen entgegenzunehmen« (Weiss). Entsprechend ist sein Bericht: Er zeichnet das Bild eines Landes, in dem fast alles vernichtet ist ("In der nach dem 31. März bombardierten Zone ist die Zerstörung total") und in dem doch nahezu alles besser funktioniert als je zuvor ("Während der Jahre des US-Angriffs sind große Fortschritte in Erziehung, Volksbildung und Gesundheitswesen gemocht worden"). Nach Weiss sind trotz Völkermord-Absichten der USA die kommunistischen Menschenopfer vergleichsweise niedrig; es herrschen Heldentum und Optimismus; der Produktionsplan wird im ganzen Land erfüllt. In Höhlen werde »mit zeitgemäßer Technik gearbeitet«. Dort fänden »abends auch Fortbildungskurse statt ... und Poesie-Lesungen. Die kulturelle Betätigung wird von der Parteiführung ständig angeregt und weiterentwickelt«. Über die von der amerikanischen Luftwaffe bombardierte Provinz Quang Binh, in der laut Weiss das Pro-Kopf-Einkommen der Bevölkerung in den letzten Jahren ständig gestiegen ist, schreibt der Kriegsberichter in seinem Rapport*:
aus DER SPIEGEL 32/1968
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