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Briefe

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aus DER SPIEGEL 47/1971

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(Nr. 45/1971, Peter Brügge über Transzendentale Meditation)

Meditieren Sie weiter oder nicht? Wenn ja, so bleiben Sie einer von uns. Dann sollten Sie Ihre große Gabe, Gedanken, die uns nur vage und ungenau kommen. in so treffende Worte zu fassen, für uns verwenden und nicht, um TM lächerlich zu machen. Sachlich ist ja an Ihrer Darstellung das meiste nur allzu richtig.

Hamburg RUTH KÜHN

Immer dann, wenn »etwas in unser Leben unberechenbar eingreift«. »beunruhigende Veränderungen« in uns vorgehen, sind wir auf dem Wege, »von einem zentralen Prozeß der Wandlung in Anspruch genommen zu werden«. So auch nach seinen Schilderungen zu urteilen der Autor des Berichtes. Nach C. 0. Jung setzt dann die Wirksamkeit der archetypischen Mächte ein, wobei diese »Beunruhigung« nicht negativ gedeutet werden kann. Dieser Reifeprozeß erledigt sich aber nicht »so nebenbei«, ohne das tägliche Berufs-, Familien- und Gesellschaftsleben zu beeinflussen.

Ahrensfelde (Schl.-Holst.) THEODOR WERNER

Sie haben noch eine Chance. Lassen Sie überprüfen, ob Sie richtig meditieren, wie es jedem empfohlen wird, bei dem Schwierigkeiten auftreten (Checking)! Meditieren Sie dann weiter! Ich bin sicher, auch Ihre journalistischen Fähigkeiten werden auf blühen.

Freiburg KLAUS HOESER

Ein unkontrolliertes oder zu intensives Üben kann bei verschiedenen östlichen Meditationsformen schwer behebbare psychische Schäden hervorrufen. Bei der transzendentalen Meditation wird diese Gefahr durch ihren Zweckoptimismus und die Verbindung indischer Lehren mit amerikanischem Erfolgsstreben besonders deutlich. Auch bei Yoga können nach für westliche Menschen teilweise verfehlten Atem- und Körperübungen Prozesse in Gang kommen, die schädlich sind. Das ist vor allem dann gegeben, wenn die Vermittler dieser Praktiken nicht über ausreichende medizinische und tiefenpsychologische Kenntnisse verfügen. Denn es können latente Veranlagungen wie Psychosen aufbrechen.

Schlüchtern (Hessen) LUDWIG STEINFELD

Wenn sich die Wirkung der TM tatsächlich weitgehend auf Ohrensausen und ähnliche unangenehme Dinge beschränkt, wie erklärt sich dann. Herr Brügge, die doch ziemlich rasche Verbreitung der IM?

München EVELIN RUSTLER

Der Titel Maharishi Mahesh Yogi besagt, daß wir hier einen Menschen vor uns haben, der keiner mehr ist, einen, der die profane Gemeinschaft der Menschen mit all ihren Wünschen und Sehnsüchten verlassen hat, einen Namenlosen, Hauslosen, der durch tiefe Meditation das kosmische Bewußtsein. das ewige Sein oder Selbst in der Unendlichkeit erreicht hat. So ein Asket (Yogi) braucht weder einen Rolks-Royce noch Jets noch Mikrophone, um vor seinen Anhängern aufzutreten und sich ihnen mitzuteilen, er erreicht sie alle in seiner »transzendentalen« Meditation. Gerade das aber kann dieser, der sich Seine Heiligkeit titulieren läßt, offensichtlich nicht. Der Maharishi ist ein Eklektiker. Er hat seine Lehre aus indischen Schriften. dabei aber auch westliches Gedankengut verarbeitet. Das ist typisch für den Westen zurechtgeschnitten. damit auch ein durch und durch materiell denkender Weißer etwas damit anfangen kann. Die Auswahl aus dem Hatha-Yoga-System aber ist fast kriminell; denn der Maharishi läßt üben ohne Verbindung zum Atem. Dabei gibt erst die richtig konzentrierte Führung des Atems in bestimmte Teile des Körpers während einer Yogaübung die richtige Wirkung. Die einzige Atemübung des Maharishi ist für Anfänger eine sehr gefährliche Übung nach Aussagen erfahrener Hatha-Yogis. Wird sie ohne langsame Vorübung und ohne die verantwortungsbewußte Führung eines erfahrenen Gurus gemacht und zu lange geübt, können die von Ihnen beschriebenen physischen Störungen auftreten. Die Lehrer des Maharishi sind keineswegs in der Lage, diese Übungen zu unterrichten. Auch die geheim vergebenen Mantras stellen eine Gefahr für einen Meditationsanfänger dar. Ohne einen wissenden Lehrer, der die Meditation des Schülers führt und kontrolliert, verzaubert eine Mantrameditation, ohne kosmische Zustände zu erhellen. Indische Mystiker warnen vor diesem rauschhaften Zauber, weil der Schüler Schein und Sein nicht mehr trennen kann. Das also bringt dieser Maharishi dem Westen. Und er lebt recht gut dabei, da er entgegen den Regeln indischer Guru-Tradition seinen Schülern Geld abverlangt, im voraus!

Hamburg A. RASHATASUVAN

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