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Briefe

Vorbild Adenauer
aus DER SPIEGEL 42/1972

Vorbild Adenauer

(Nr. 4011972, SPIEGEL-Gespräch mit Bundeskanzler Willy Brandt)

Unbegreiflich, wie einem so erfahrenen Politiker wie Willy Brandt eine so folgenschwere Bemerkung zur Korruption von Abgeordneten entschlüpfen konnte. Daß vieles für die Richtigkeit der Bemerkung des Bundeskanzlers spricht. steht ja auf einem anderen Blatt.

Heidelberg MICHAEL APP

Wenn ich behaupte, bei der Verleihung des Friedensnobelpreises an Bundeskanzler Brandt war üble Korruption im Spiele und beim Übertritt von Heinemann zur SDP war es nicht anders, dann ist das keine »subjektive Überzeugung«, sondern hundsgemeine Verleumdung, falls ich keine konkreten Beweise auf den Tisch lege. Triefte nicht die gesamte SPD-Prominenz vor moralischer Entrüstung, als ein CDU-Politiker auch nur von einer Einflußnahme aus SPD-Kreisen auf das Verleihungskomitee sprach? Bundeskanzler Brandt hat sich daher durch seinen abwegigen Rechtfertigungsversuch mit der »subjektiven Überzeugung« das moralische »Aus« gesprochen.

Donaueschingen JOHANNES FLEISCHER

Die künstliche Aufregung der CDU über Brandts Äußerung ist wirklich der Gipfel der Heuchelei. Selbst wenn diese Äußerung aus keinem anderen Grunde gemacht worden wäre, als durch vorsätzliche Verleumdung dem Gegner im Wahlkampf zu schaden, könnte man Brandt dafür nicht tadeln, denn er hat dafür doch die beste Entschuldigung. die man sich in der CDU dafür nur denken kann, nämlich die ausdrückliche Empfehlung Dr. Konrad Adenauers, so zu verfahren. Die beiden SPD-Funktionäre Schroth und Scharley wurden im Wahlkampf bezichtigt, kommunistische Gelder empfangen zu haben. Nach gewonnener Wahl nahm Dr. Adenauer diese Behauptung zurück. Dazu sein Kommentar gegenüber der SPD: »Wenn dat so wirkungsvoll war, warum wenden Sie solche Methoden nicht auch an?«

West-Berlin PAUL MÜLLER

ich halte es für unvereinbar mit den Grundregeln eines demokratischen Rechtsstaates, daß Herr Brandt seinen politischen Gegnern und den Wählern mit schweren sozialen Erschütterungen und einer Störung des »Arbeitsfriedens« für den Fall eines CDU/CSU-Sieges droht. Offensichtlich ist der noch amtierende Kanzler bereit, im Falle einer Wahlniederlage mit Hilfe der Gewerkschaften und Hilfstruppen der Basis durch Streiks und Demonstrationen die Arbeit einer Regierung Barzel zu blockieren, um so die Macht durch innere Unruhen spätestens nach vier weiteren Jahren zurückzugewinnen. Mit schwindenden Wahlchancen scheint sich das Demokratieverhältnis des Herrn Brandt zu verändern.

Hamburg HORST-GÜNTER RAUPRICH

All das, was Bundeskanzler Brandt in dem Gespräch über die Geschehnisse der Innen- sowie Außenpolitik -aussagte, war klar geschildert -- und für jedermann verständlich. Daß er darüber hinaus eigene Fehler zum jetzigen Wahlkampf-Zeitpunkt eingesteht, zeugt in hohem Maße davon, daß diesem Mann auch zukünftig zu vertrauen sein wird. Ich kann also hier an dieser Stelle unumwunden erklären, daß ich am Tage der »Giganten« SPD wählen werde. Sowohl als Bürger denn als Unternehmer.

Köln KARL-AUGUST PUTZ

Bonn, 20. November 1972. Die Friedensarbeit des beliebten Bundeskanzlers Barzel (populär: BuKaBa) soll mit einer inständigen Bitte an Presseminister Strauß (pop.PreMist) beginnen. Reden von Brandt und Brundage infolge ihrer Wohlanständigkeit in alle Meßbücher aufnehmen zu lassen. Auch stehe die Umtaufung des Bundestages in »Heimat der Unbestechlichen« bevor. Dazu verlautete von seiten des (konfessionslosen) Wirtschaftsministers, Frau Etta Schiller (pop.Edsch), aus stabilitätspolitischen Rücksichten werde jeder Abgeordnete der Opposition in Zukunft aus der Sporthilfe bezahlt.

Köln DR. HARALD Voss

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