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Briefe

Vorbild Hollywood und Moskau
aus DER SPIEGEL 30/1982

Vorbild Hollywood und Moskau

(Nr. 22/1982, Schwarzfahrer)

Beim Versuch, das Schwarzfahren einzudämmen, sollten die Herren vom Verband Öffentlicher Verkehrsbetriebe einmal einen Blick ins Land der »Unbegrenzten Möglichkeiten« werfen, wo man, zumindest in Kalifornien, die Schwarzfahrerquote bei Null hält.

Jeder Fahrgast wirft beim Betreten des Busses das abgezählte Fahrgeld in einen Minitresor neben dem Fahrer. Ohne Geld also keine Busfahrt. Wem das abgezählte Kleingeld zu lästig ist, der kauft sich im Vorverkauf (um ungefähr acht Prozent ermäßigte) Fahrchips, die dann in den Fahrgeldtresor geworfen werden.

Ein etwaiges Umsteigen gibt man dem Fahrer an und erhält dann, gegen zehn Prozent Aufpreis, einen kleinen Fahrschein, den man dann beim Anschlußbus wieder abgibt.

North Hollywood (Kalifornien) AXEL SUESS

Man kann nur dringendst unseren Kommunalpolitikern empfehlen, eine Dienstreise nach Moskau zu unternehmen. Sie können dort vor Ort ein System begutachten, das jenen Ansprüchen entspricht, die zu erreichen ihre Phantasie offenbar nicht ausreicht:

Einfachheit (Einheitsfahrpreis: fünf Kopeken. Verständlich auch für Analphabeten, zu denen uns ja die Verkehrsbetriebe mit ihren komplizierten Knopfdrückanweisungen allenthalben degradieren), lückenloses Ausschalten von Schwarzfahrern (automatische Zugangskontrolle ohne Fahrscheine), Wirtschaftlichkeit (trotz jahrzehntelanger Fahrpreisstabilität Selbstkostendeckung und geringer Gewinn), Schnelligkeit (Zugfrequenzen zwischen vier und sieben Minuten).

Hamburg DR. JOHANN H. HARTL

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