Zur Ausgabe
Artikel 10 / 102
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

KLIMASCHUTZ »Vorreiter Europa«

SPD-Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee, 53, über internationale Klimaziele für den Güter- und Personenverkehr
aus DER SPIEGEL 22/2008

SPIEGEL: Diese Woche beraten die Verkehrsminister aus 51 Ländern, was gegen die Erderwärmung zu tun ist. Welche Chancen gibt es, dass Sie sich auf verbindliche Vorgaben einigen?

Tiefensee: Die Konferenz fasst keine Beschlüsse. Dennoch will ich erreichen, dass sich die Teilnehmer auf möglichst konkrete Ziele verständigen. Wir müssen dafür sorgen, dass der Verkehr vom Einsatz fossiler Brennstoffe unabhängiger wird. Wir brauchen eine internationale Vereinbarung, den CO2-Ausstoß von Pkw zu senken, am besten mit verbindlichen Grenzwerten und Zeitvorgaben. Und wir müssen den Luftverkehr in den internationalen Handel mit Verschmutzungsrechten einbeziehen.

SPIEGEL: Bislang lehnen jedoch insbesondere die USA solche Absprachen ab. Wie wollen Sie den Widerstand überwinden?

Tiefensee: Ich appelliere an die Vereinigten Staaten, den Weg für eine möglichst verbindliche Abschlusserklärung frei zu machen. Auch in den USA wächst die Erkenntnis, dass die Erderwärmung die Lebensgrundlagen und den Wohlstand der Menschheit bedroht. Europa hat hier eine Vorreiterrolle übernommen, an der sich auch andere Weltregionen orientieren sollten.

SPIEGEL: Mit der Vorreiterrolle ist es nicht weit her. Nach langem Gezerre hat die Europäische Kommission vorgeschlagen, den CO2-Ausstoß von Autos auf 120 Gramm pro Kilometer zu begrenzen. Das ist viel weniger, als möglich wäre.

Tiefensee: Im Gegenteil, es ist ein ehrgeiziges Ziel. Es geht weit über das hinaus, was die Industrie als machbar erachtet. Jetzt kommt es darauf an, dass es bei diesen Vorgaben nicht zu Wettbewerbsverzerrungen kommt. Der Familien-Van muss genauso auf den europäischen Straßen fahren können wie der Kleinwagen.

SPIEGEL: Die europäische Kommission will ihre Vorgaben im Jahr 2012 für alle europäischen Neuwagen durchsetzen. Ist das machbar?

Tiefensee: Wir stehen zu dem 120-Gramm-Ziel, aber so, wie es die Kommission vorgeschlagen hat, ist es nicht machbar. Wir verhandeln gerade darüber, wann der Grenzwert eingeführt wird, in welchem Maß die Fahrzeugklassen betroffen sind und wie hoch die Strafen ausfallen sollen, wenn er nicht eingehalten wird. Daraus muss ein Gesamtpaket entstehen, das klimapolitisch ehrgeizig ist, die deutschen Autohersteller aber nicht unverhältnismäßig belastet.

Zur Ausgabe
Artikel 10 / 102
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.