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aus DER SPIEGEL 10/2000

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Bella Block - Blinde Liebe Samstag, 20.15 Uhr, ZDF

Hannelore Hoger als kratzbürstige Kommissarin in Höchstform: Bei den Ermittlungen gegen einen schurkischen Taxifahrer (Martin Wuttke), der zusammen mit seiner Freundin (Natalia Wörner) deren schwachsinnige Schwester (Julia Schmidt) zur Prostitution zwingt, isst Bella unwissentlich Haschplätzchen und bricht mit herrlichem Temperament in Wallungen aus. Dank Sherry Hormanns Regie ein spannendes Stück Fernsehen.

Tatort: Viktualienmarkt Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

Ein Standerl auf Münchens berühmtestem Markt, wo es für Unsummen mitten im Winter Kirschen aus Chile oder Radieschen aus Neuseeland zu kaufen gibt, dort kann die Not nicht wohnen, denkt man. Tut sie aber doch: Bernadette (Sissy Höfferer), die zusammen mit ihrer verhemmten und unter einem versoffenen Mann leidenden Schwester Luise (Carin C. Tietze) ein Geschäft besitzt, setzt auf Rennpferde statt auf Gemüse - Spielschulden sind die Folge. Bald wird klar, dass die Ursache für die desolate Seelenverfassung der beiden Viktualiendamen eine gemeinsame Leiche ist: Die Schwestern hatten zusammen mit dem Schwager vor vielen Jahren nach einem Disco-Besuch einen Tramper mitgenommen, nach einem Streit gab es einen Unfall, der Anhalter starb. Um Nachfragen zu vermeiden, vergruben sie den Toten heimlich. Die Bayern-Kommissare (Udo Wachtveitl, Miroslav Nemec) werden zum Fundort des Gerippes gerufen, das nach 22 Jahren entdeckt worden ist. Nach und nach klären sie die Zusammenhänge auf. Berthold Mittermayr inszenierte ein ordentliches Stück Krimi, nicht so erlesen wie Kirschen aus Chile, aber deftig wie bayerischer Radi.

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Jugendsünde Mittwoch, 20.15 Uhr, ARD

Der Hausarzt hat schlechte Nachrichten für den betagten Großbäcker Max Baldauf: Weiber, Suff und Nikotin sind Gift für sein mürbes Herz. Der steinreiche Brotfabrikant steht vorm Exitus, blickt beschämt zurück auf sein flottes Leben und erinnert sich an eine grässliche Jugendsünde: In den fünfziger Jahren hatte er seiner Geliebten Anna ein Kind angehängt und sich feige aus dem Staub gemacht. »Besser spät gesühnt als gar nicht«, sagt sich der reuige Schlawiner und beschließt, die alte Liebe aufzuspüren. Also macht er sich auf den Weg ins Provinzkaff, wo die verhärmte Jugendliebe (Eva-Maria Hagen) samt Tochter Marlene und Enkelin Mia in bescheidenen Verhältnissen haust, zahlt 60 000 Mark Alimente nach und verliebt sich platonisch in die kesse Mia. Der alte Gockel ist außer sich vor Glück, aber natürlich kommt dann alles ganz anders in diesem dünnen Alten-Dramolett (Regie: Vera Loebner), und auch unser Chef-Schwerenöter Harald Juhnke (Max Baldauf) backt diesmal nur ganz kleine Brötchen. Am Ende findet Max im Kraushaarköter Raspel einen treuen Freund und legt sich mit einem gekonnten Herzschlag zur ewigen Ruhe. »Ein schöner Tod«, sagt der Doktor milde, und die Zuschauer schrecken ein letztes Mal aus tiefem Schlummer, wenn Raspel an Herrchens Grab eilt und einen Gruß ins Jenseits bellt.

Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben Sonntag, 22.15 Uhr, SAT 1

Der moderne Mensch, so lehrt es das Fernsehen, lebt angespannt und reizüberflutet in einem »Beziehungsdschungel": Ständig, und meist erfolglos, liegt er auf der Lauer nach dem Traumpartner. Und was da abgeht, wie er sich abrackert für ein sorgenfreies Intimleben, das wird nun wieder mal in einer Doku-Soap durchleuchtet. Da ist zum Beispiel der Düsseldorfer »Schlager-Entertainer« Tony, der per Inserat nach »einer Frau mit dicken Titten« fahndet. Die Taxifahrerin Gertrud erfährt von einer Wahrsagerin, dass sie in Kürze einen »schönen Mann« kennen lernen wird, der allerdings eine »Herzkrankheit«, vielleicht aber auch nur »einen Herzschrittmacher« hat. Ein weiterer Single, Udo, möchte eine beischlaffreudige Thai-Frau importieren. Das sei ihm gegönnt, aber warum muss die Öffentlichkeit daran teilhaben?

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