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aus DER SPIEGEL 45/2000

Wag the Dog Montag, 22.15 Uhr, ZDF

Der US-Präsident fummelt an einer jungen Frau herum, die Presse kriegt es raus - und schon herrscht Feuer unterm Dach des Weißen Hauses. Ein raffinierter Berater (Robert De Niro) und ein alternder, eitler Hollywood-Produzent (Dustin Hoffman) inszenieren eigens einen Krieg gegen Albanien, um ihrem Auftraggeber trotz des Sex-Skandals die Wiederwahl zu sichern. Barry Levinsons Kinofilm von 1997 hätte schlimmstenfalls eine biedere, überzogene Anklage werden können gegen den allgemeinen Sittenverfall in Washington. Dass er es nicht wurde, verdankt der Regisseur Monica Lewinsky, dem Witz des Drehbuchautors David Mamet und vor allem dem grandiosen Hoffman, der dem Film erst zu seiner heimlichen Botschaft verhilft: Hollywood ist mächtiger als Washington.

Die Nacht der Entscheidung Dienstag, 22.15 Uhr, ZDF

Den Showdown zwischen George W. Bush und Al Gore hätte selbst Hollywood kaum spannender inszenieren können, obwohl es den beiden Hauptdarstellern an Charisma gebricht. Zur Präsidentenwahl in den USA sendet das ZDF Berichte, Interviews und Reportagen; die ARD verkündet von 23.55 Uhr an: »The Winner Is ...«; die Wahlsendungen auf CNN und N-tv beginnen um 23.00 Uhr.

Enthüllung einer Ehe Mittwoch, 20.30 Uhr, ARD

Als Jana Westphal (Nina Hoger) eines Tages in der Sakkotasche ihres Mannes einen Lippenstift entdeckt, vermutet sie, dieser habe ein Verhältnis mit einer anderen Frau. Tatsächlich fühlt sich der Lehrer Roman (Dominique Horwitz), Vater von zwei Kindern, zum Weiblichen hingezogen, sehr sogar - allerdings anders, als Jana vermutet hatte. »Ich will eine Frau sein«, gesteht er ihr unter Tränen: Roman, der im Biologieunterricht seinen Schülern erklärt, was Metamorphose bedeutet, ist transsexuell. Für beide beginnt mit dieser Offenbarung ein quälendes Hin und Her zwischen sexueller Identitätssuche und dem Versuch, ihre Ehe zu retten. Regisseur Michael Verhoeven, erfahren in der Aufarbeitung von Tabuthemen ("Das schreckliche Mädchen"), verzichtet dabei auf Fummeltrienen-Klischees und wohlfeilen Voyeurismus. Doch auch wenn die Hauptfigur ein Lehrer ist: Etwas weniger Didaktik hätte dem Film gut getan.

Herr Zwilling und Frau Zuckermann Mittwoch, 23.30 Uhr, MDR

Er ist ein Griesgram mit tiefen Falten im Gesicht; sie ist eine quecksilbrige Greisin, die ihm seinen Pessimismus auszureden versucht: Jeden Abend besucht Herr Zwilling die 90-jährige Frau Zuckermann. Dann kocht sie für ihn, und das ungleiche Freundespaar schaut fern. Der Dokumentarfilmer Volker Koepp hat den beiden ihre Geschichten entlockt: Erinnerungen an den Holocaust und das vernichtete jüdische Leben in Czernowitz, jener Stadt in der Bukowina, aus der auch der Dichter Paul Celan stammte. Koepp passt sich dem Rhythmus der Porträtierten an, glättet unbeholfene Passagen nicht und hat ein klares Auge für den fremden Alltag. Seine Czernowitzer Elegie, 1999 für den Deutschen Filmpreis nominiert, hätte auch Celan erfreut.

Utta Danella - Der schwarze Spiegel Freitag, 20.15 Uhr, ARD

Nein, kein Bericht über ein neues Nachrichtenmagazin, sondern die Verfilmung eines Buchs von Utta Danella (Branchen-Spitzname: Utta Sanella), die mit gut verkauften Trivialromanen wie »Regina auf den Stufen« den Wahrern der Hochkultur Schauer über den Rücken jagt. Klar, dass dieser Fernsehfilm (Regie: Rainer Boldt) keine filigrane Kunstetüde für die Hofer Filmtage werden würde. Ein verwitweter Möbelfabrikant (Peter Bongartz) mit ziemlich missratenen Kindern wird zu einem faulen Deal nach Mallorca gelockt, durchschaut aber dank eines Callgirls (Sonja Kirchberger) den Schmu. Wo Aufklärung ist, da ist auch schnell Liebe: Der Fabrikant freit die leichte Dame, die Sippschaft ist entsetzt, besonders als der Alte beim Geschlechtsakt dahinscheidet und die Witwe alles erbt. Nun drohen Verbrechen und Langeweile für den, der sich mehr als nur leidlich spannende Unterhaltung versprochen hat.

Wetten, dass ...? Samstag, 20.15 Uhr, ZDF

Wetten, dass Thomas Gottschalk auch diesmal wieder alle »Big Brother«-Sender und Westerwellen auf die Plätze verweisen wird? Zumal er für jede Zielgruppe die passenden Gäste eingeladen hat: die Backstreet Boys für die Teenager, Eros Ramazzotti für Mutti, Rod Stewart für Papi und Madonna für alle.

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