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aus DER SPIEGEL 50/1999

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Der Preis der Sehnsucht Mittwoch, 20.15 Uhr, ARD

Reife schützt vor Torheit nicht. Die Zahnärztin Petra Klinger (Christiane Hörbiger) leistet sich nach der Trennung von ihrem Mann einen Callboy (Sylvester Groth). Aus bezahltem Sex wird von Seiten der Frau Zuneigung. Damit fangen die Probleme an: Die armselige Existenz des aus Polen stammenden Gigolo wird sichtbar; er will sein Wohnwagenleben mit krankem Vater hinter sich lassen. Der Liebe zwischen der älteren Frau und dem jungen Mann kommt die verwitwete Schwiegertochter (Karoline Eichhorn) der Ärztin in die Quere. Der Pole macht sich an die Frau heran, Petra bricht aus Verzweiflung und Eifersucht zusammen. Christian Görlitz (Regie) und Johannes Reben (Buch) verstehen es, die Grenzgebiete zwischen gekaufter und echter Zuneigung genau zu erforschen. Die Hörbiger beweist, dass sie sich nicht auf den Part der Grande Dame zurückziehen will, sondern die Herausforderung sucht. Sie zeigt eine Frau, die unwürdig würdig bleibt.

Ein Weihnachtsmärchen - Wenn alle Herzen schmelzen Mittwoch, 20.15 Uhr, RTL

Dem Christkind sei Dank, dass dieser Film (Buch: Tommie Bayer, Regie: Johannes Fabrick) nicht so lametta-silbrig ausgefallen ist, wie der Titel androht. Denn die Geschichte vom Trucker (Götz Otto), der sich mit seinem Sohn (Max Riemelt) auf eine Verzweiflungsfahrt begibt, zeichnet sich durch Unaufdringlichkeit und sparsam dosierte Sentimentalität aus. Wie Vater und Sohn zu einem Verhältnis finden, wird behutsam erzählt. Die übrigen Figuren des Films zerfallen nicht in Gut-Böse-Klischees.

Alexandra Sonntag, 23.00 Uhr, Nord III

Taiga-Sehnsucht, »Zigeunerjunge«. »Mein Freund, der Baum« - die Dokumentation von Marc Boettcher erweckt die Legende der Sängerin Alexandra wieder, die 1969 gerade 25-jährig bei einem Autounfall ums Leben kam. Anrührend wirken noch heute die dunkle Stimme, die verkappte Trauer über eine gestörte Kindheit - in Alexandras Fall Flucht, Scheidung der Eltern, Aufwachsen in Armut. Merkwürdig: Während ihre Altersgenossinnen die Barrikaden stürmten, rieb sich diese Frau in den Strukturen des muffigen Schlagergewerbes auf. Ein bisschen mehr Zeitgeistbezug hätte dem Film genützt.

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Sturmzeit Montag, 20.15 Uhr, ZDF

Dezennium, Millennium - das Fernsehen schwelgt zurzeit in den Wonnen der Historie. Aber auch der kalendarische Eifer kann dieses TV-Werk über ein das Jahrhundert überspannendes »großes Frauenschicksal« (ZDF) nicht entschuldigen. Zumindest der erste Teil dieser fünfmal 90 Minuten langen Verfilmung einer Romantrilogie der Bestseller-Autorin Charlotte Link lässt befürchten, dass durch »Sturmzeit« das laue Lüftchen bekannter Muster und der Abklatsch längst besser erzählter Geschichten und Geschichte geht. Die Arzttochter Felicia (Jeanette Hain) liebt Maksim (Ben Becker), der die Revolution mehr liebt als sie. Der Erste Weltkrieg bricht aus. Die Russen kommen nach Ostpreußen. Die schöne Felicia wird von den Soldaten bedrängt, kommt aber mit dem Schrecken davon. Der Großvater stirbt, seinen Sarg zerstört ein Geschoss. Felicia geht nach Berlin, später nach München. Sie heiratet ohne viel Nachdenken einen versoffenen Industriellensohn (Max Tidof), wird Krankenschwester, gerät in russische Gefangenschaft, trifft Maksim wieder ... Regisseur Bernd Böhlich und viele erstklassige Schauspieler (Jürgen Hentsch, Udo Samel, Christian Redl) kommen trotz schöner Bilder (Kamera: Peter Ziesche) zumindest im ersten Teil nicht gegen die Einfalt der Dialoge (Buch: Wolfgang Kirchner) an. Felicia: »Weißt du, ich denke, das Leben ist schön, und der Krieg ist der Krieg, aber wir sitzen jetzt hier, und ich möchte einfach nur glücklich sein.« Antwort von Felicias Schwägerin, die nach dem Ratschluss der Vorlage Kassandra heißen muss (Vittoria Belvedere): »Du hast sehr schöne Augen.«

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