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aus DER SPIEGEL 32/2001

Mayday! Überfall auf hoher See

Donnerstag, 20.15 Uhr, ProSieben

Eine Seefahrt, die ist lustig - und ein Fernsehfilm über eine Seefahrt, der stopft immerhin für zwei Stunden das Sommerloch. In diesem Sinne hat ProSieben den Regisseur Werner Masten ("Liebling Kreuzberg") sowie einige Schauspieler abkommandiert auf einen Öltanker im Mittelmeer, und zumindest der Tanker macht seine Sache sehr gut. Er lässt sich drehbuchgemäß von einem Gangstertrio stehlen, die den Treibstoff auf dem Schwarzmarkt verhökern wollen. Angeführt werden die Ökosteuerhinterzieher von einem Ex-Fremdenlegionär namens Jonathan, dessen »beste Zeiten«, so ProSieben, »schon lange vorbei« sind; dass diese Rolle mit dem trinkfesten »Raubein Klaus Löwitsch« (Pressetext) besetzt wurde, darf als einzig gelungener Gag des ganzen Films bezeichnet werden. Ansonsten müht sich die Gaunerklamotte von einem Kalauer zum nächsten; Anica Dobra darf als Sprengstoffexpertin Suzanne ein bisschen mit einer Maschinenpistole herumfuchteln, außerdem soll sie das altersschwache Schiff im Auftrag des Reeders auf hoher See in die Luft jagen. Bis es so weit ist, dürften sich allerdings schon sämtliche Zuschauer in die Rettungsboote geflüchtet haben.

Fremde Verwandte

Donnerstag, 20.45 Uhr, Arte

m Rahmen des Themenabends »Ich und Ich: Doppelleben« zeigt der Kulturkanal dieses Familiendrama. Die 50-jährige Irin Maureen (gespielt von Brenda Fricker, die für ihre Rolle in »Mein linker Fuß« einen Oscar erhielt), die in Düsseldorf lebt, ist nach dem Herzinfarkt ihres Mannes mit ihren beiden fast erwachsenen Kindern ganz auf sich gestellt - nur der wohl beleibte Hans (Dieter Pfaff), Steuerberater und Freund der Familie, steht ihr diskret zur Seite. Statt einer vermeintlich gut gehenden Firma hat der Verstorbene einen Berg von Schulden hinterlassen, und merkwürdig oft ist er mit hohen Bargeldbeträgen nach Dublin geflogen. Misstrauisch geworden, findet die Witwe heraus, dass ihr Mann in Dublin seit Jahren eine andere Frau (Lena Stolze) und einen fünfjährigen Sohn hat. Der Kleine aber leidet an Leukämie, retten kann ihn allenfalls eine Knochenmarksspende seiner blutsverwandten Halbgeschwister. Die deutsch-irische Co-Produktion des Fernsehregisseurs Giles Foster lebt im ersten Teil vom ruhigen und genauen Spiel der vorzüglichen Hauptdarsteller, im zähen zweiten Teil (Freitag, 20.45 Uhr) nehmen leider melodramatische Klischees überhand.

Die Meute

Freitag, 21.45 Uhr, ARD

Dokumentation der Münchner Fotografin Herlinde Koelbl ("Spuren der Macht") über die Berliner Journalistenszene (siehe Seite 102).

Das schwarze Schaf

Freitag, 22.00 Uhr, WDR

Nein, nicht der gleichnamige Sechziger-Jahre-Krimi mit Heinz Rühmann als Pater Brown, sondern schon wieder eine neue Talkshow - wenn auch mit bekanntem Personal: Bettina Böttinger, 45, die sonst zur TV-Einzelbeichte mit Überraschungsgast lädt ("B. trifft ..."), gibt von dieser Woche an viermal umstrittenen Menschen die Gelegenheit, sich vor der Kamera zu rechtfertigen.

Boogie Nights

Samstag, 22.15 Uhr, ProSieben

Mitte der siebziger Jahre kursierte ein Witz über den Pornodarsteller John Holmes: Wenn er vor der Kamera erscheinen sollte, musste man ihm eine Linie Kokain von der Garderobe bis zum Set legen. Inspiriert von Holmes' Karriere zeigt »Boogie Nights« (USA 1997; Regie: Paul Thomas Anderson) Aufstieg und Fall eines männlichen Sexfilm-Schauspielers. Die Geschichte beginnt 1977, als im San Fernando Valley noch mit Zelluloid gearbeitet wurde und Pornos wie Hollywood-Produktionen im Kino zu sehen waren. Jack Horner (Burt Reynolds) ist einer der Produzenten, die aus Sexfilmen am liebsten Kunstwerke machen würden - oder wenigstens etwas in dieser Richtung. Für sein nächstes Projekt braucht er noch einen Hauptdarsteller, und den findet er in einem 17-jährigen Jungen (Mark Wahlberg). Der ist ohne Abschluss von der Schule abgegangen und arbeitet in einem teuren Nachtclub als Tellerwäscher. Seine Mutter nennt ihn einen Versager. Horners Angebot kommt da gerade im richtigen Moment. »Jeder hat sein Talent«, sagt der Junge; seins liegt in der Hose - ein 30 Zentimeter langer Penis, so dick wie ein Handgelenk. Jack Horners Bungalow wird für den heimatlosen Jungen mit dem Künstlernamen Dirk Diggler und das ganze Team zur neuen Heimat: Hier feiern alle vor dem Dreh eine Dauerparty mit Drinks und Drogen, hier bestätigt man sich, dass man eine große Familie ist mit Jack Horner als Vater. »Boogie Nights« ist mal romantisch-traurig, mal komisch und mal bedrückend realistisch. Das Ende seiner Hauptfigur hat Regisseur Anderson allerdings geschönt: Der echte Pornostar Holmes starb 1988 an Aids.

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