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W. Michael Blumenthal

aus DER SPIEGEL 22/1979

ist nach Henry Kissinger der zweite deutschstämmige US-Minister, dessen Familie durch die Nazis vertrieben wurde. Seine Eltern, in Oranienburg bei Berlin ansässige Juden, konnten sich 1939 nur durch Bestechung die Ausreise nach Schanghai erkaufen, wo die Blumenthals kümmerlich, zeitweise in einem japanischen Internierungslager, lebten. 1947 wanderten sie in die USA ein, Sohn Werner Michael studierte in Berkeley und Princeton Wirtschaftswissenschaften und schrieb seine Diplomarbeit über die »Mitbestimmung in der deutschen Stahlindustrie«.

In den USA machte er eine Blitzkarriere: 1957 Vizepräsident von Crown Cork International, einer Firma, die Kronenkorken für Flaschen aller Art produziert; 1961 stellvertretender Unterstaatssekretär im Außenministerium unter dem damaligen Kennedy-Staatssekretär George Ball; 1963 Leiter der amerikanischen Delegation bei der Genfer »Kennedy-Runde«, den Verhandlungen über die Senkung der Einfuhrzölle.

Nach Abschluß der Kennedy-Runde, 1967, kehrte Blumenthal in die Privatwirtschaft zurück -- zum multinationalen Mischkonzern Bendix Corporation, dessen Vorstandsvorsitzender er 1972 wurde. Neben Management-Qualitäten zeigte Blumenthal soziales Engagement, etwa indem er in den Bendix-Unternehmen die Aufstiegschancen für Angehörige von Minderheiten verbesserte.

Nach Enthüllungen über weitverbreitete Korruption in amerikanischen Konzernen und den Einsatz von Schmiergeldern im Ausland verlangte Blumenthal einen »Moralkodex« für die Geschäftswelt -- was ihm die Sympathie Jimmy Carters eintrug; unmittelbar nach seiner Wahl zum Präsidenten trug Carter 1976 dem gebürtigen Deutschen die Leitung der »Treasury«, des Finanzministeriums, an -- eine der Schlüsselpositionen der US- Regierung.

Wie Carter befürwortet Blumenthal, 53, eine konservative, restriktive Finanzpolitik, die ihn zuweilen in Konflikt mit seinen sozialliberalen Auffassungen bringt.

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