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Briefe

Wachsende Wut
aus DER SPIEGEL 41/2003

Wachsende Wut

Nr. 39/2003, Parteien: Der SPD laufen die Mitglieder weg / SPIEGEL-Gespräch mit Franz Müntefering über Oskar Lafontaines Comeback-Versuche

Na bravo, Herr Müntefering, jetzt sind die Hosen runter. Zitat: »... die SPD wurde nicht primär gegründet, um Verteilungsgerechtigkeit zu organisieren«. Eine klare Aussage, aber warum, bitteschön, hat das bisher keiner so offen ausgesprochen? Es wurde eher der Verdacht genährt, genau das Gegenteil sei der Fall! Nun allerdings versteht man das, was in Berlin abläuft und noch geplant ist, viel besser. Schade eigentlich nur, dass ich nicht Mitglied dieser Partei bin, ich kann noch nicht mal austreten. Aber diese Partei nicht mehr wählen, das kann ich.

GELSENKIRCHEN WILHELM DREYERS

Als Apo-Mitläufer bin ich 1972 in die SPD eingetreten, nicht zuletzt auch, weil mir Willy Brandt damals wie heute imponiert hat. Was für politische Zwerge sind dagegen Schröder oder der »Superminister« Clement. Ich war in all den Jahren mehr oder weniger aktiv für die SPD tätig. Nun bin ich nach mehr als 30 Jahren ausgetreten, weil die SPD alle Werte über Bord wirft, derentwegen ich ursprünglich beigetreten bin. Die SPD ist auf dem Weg, sich selbst überflüssig zu machen (leider nicht im Marxschen Sinne), und dabei will ich sie nicht begleiten. Kommt Oskar zurück, überleg ich's mir noch einmal.

PEITING (BAYERN) HANS W. HAHN

Die SPD scheint vergessen zu haben, dass nicht Schröder allein 1998 gewählt wurde. Es waren vor allem auch die Ideale und Inhalte der damaligen SPD, die die Menschen dazu bewogen haben, für sie zu stimmen. Und es waren die Themen, für die Oskar Lafontaine einstand, die das Gegenkonzept zur damaligen Bundesregierung so attraktiv machten. Doch nach dem unrühmlichen Abgang Lafontaines mussten diese Themen bis heute dem neoliberalen Paradigmenwechsel der Partei unter Schröder zunehmend weichen, und die SPD soll inhaltlich bis zur Unkenntlichkeit modernisiert werden, kein Wunder, dass dann bei so manchem Genossen die Wut wächst.

BERLIN SEBASTIAN STORBECK

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