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WAGEN UND WERK

aus DER SPIEGEL 10/1966

Im September 1964 brachten die Kölner Ford-Werke Deutschlands billigsten Sechszylinder-Wagen auf den Markt und erzielten auf Anhieb einen durchschlagenden Verkaufserfolg. Der Typ Taunus 20 M / 20 M TS, mit dem Ford erstmals seit 1939 wieder oberhalb der Mittelklasse konkurrierte, errang binnen kurzem über 54 Prozent Marktanteil und wies sich damit als Deutschlands meistgekaufter Sechszylinder-Wagen aus.

Verblüffend mutet freilich an, daß der Zwei-Liter-Wagen seine Käufer offenbar in Scharen enttäuscht hat. Nahezu jeder zehnte Käufer, so ergab die SPIEGEL-Umfrage, würde sich nicht ein zweites Mal für einen Ford 20 M entscheiden.

»Diese Enttäuschten«, so erläuterte ein Werk-Sprecher, »haben wahrscheinlich Exemplare aus den ersten Serien bis zum Frühjahr 1965 gekauft, bei denen leider Schwierigkeiten mit den eingebauten Solex-Vergasern auftraten.« Die Kalamitäten seien inzwischen behoben.

Der Ford 20 M / 20 M TS ist das Spitzenprodukt eines rationell ausgeklügelten Baukastensystems:

- Karosserie und Fahrwerk sind die gleichen wie beim Mittelklassewagen Ford 17 M, mit dem - nun 18,5 Zentimeter länger und 4,5 Zentimeter breiter als der Vorgängertyp - die Kölner ihre erfolgreiche »Linie der Vernunft« von 1960 weiterentwickelten.

- Die neuen Sechszylinder-Motoren haben das gleiche kompakte Bauprinzip wie die Vierzylinder-Motoren der Ford-Modelle 12 M und 17 M - ihre Zylinder sind zweireihig in V-Form angeordnet - und werden kostensparend auf den gleichen Transferstraßen gefertigt. Eine exklusive Karosserie-Variante der 20-M-Serie, das »Hardtop«-Coupe mit voll versenkbaren Seitenscheiben, krönt das reichhaltigste Personenwagenprogramm, das die Kölner Auslandstochter des zweitgrößten Automobilproduzenten der Welt jemals offerierte.

Schon ein Jahr nach Produktionsbeginn konnte Ford den 100 000. Wagen des Typs 20 M feiern. Die Zwei-Liter -Modelle halfen Ford, im vergangenen Jahr einen sensationellen Markt-Erfolg in der Mittelklasse zu erzielen: Fords Anteil stieg von 17,8 auf 30,7 Prozent und übertraf erstmals den Hauptkonkurrenten Opel, dessen Anteil von 40 auf 28,7 Prozent zurückging.

Insgesamt konnte Ford seinen Erzrivalen zwar nicht einholen, jedoch den Marktanteil von 15 Prozent auf knapp 19 Prozent vergrößern.

44 000 Ford-Werker bauen in den Werken Köln-Niehl und Genk in Belgien arbeitstäglich 2900 Personenwagen - sechsmal soviel wie vor zehn Jahren. 22 Prozent davon sind Sechszylinder-Modelle; bei Opel sind es nur knapp vier Prozent der Gesamtproduktion.

Die Kölner Ford-Werke, 1930 vom Autopionier Henry Ford I gegründet und zu 99 Prozent im Besitz der amerikanischen Ford Motor Company, sind noch Stückzahlen Deutschlands drittgrößter Automobilproduzent hinter VW und Opel.

Technische Daten der Ford Modelle 20 M und (in Klammern) 20 M TS: Wassergekühlter Sechszylinder-V-Motor, Hubraum 1998 ccm, Leistung 85 PS (90 PS) bei 5000 Umdrehungen in der Minute; Dreiganggetriebe mit Lenkradschaltung, auf Wunsch Vierganggetriebe, beim TS nur Vierganggetriebe mit Mittelschaltung; Länge 4,64 Meter, Breite 1,72 Meter, Höhe 1,48 Meter; Höchstgeschwindigkeit 160 km/h (165 km/h); Beschleunigung von null auf 100 km/h 15,5 Sekunden (14,0 Sekunden). Kraftstoffnormverbrauch 9,8 Liter Normal-Benzin (9,8 Liter Super-Benzin).

Preise: 20 M zweitürig 7990 Mark, viertürig 8400 Mark, Kombiwagen dreitürig 8300 Mark, fünftürig 8750 Mark, Hardtop 8950 Mark. Aufpreise: für Vierganggetriebe 95 Mark, Einzelsitze 160 Mark, Bremskraftverstärker 95 Mark, Stahlkurbeldach 350 Mark, elektrisches Stahlschiebedach 450 Mark, Windschutzscheibe aus Verbundglas 115 Mark, Zweifarbenlackierung 85 Mark, automatisches Taunomatic-Getriebe 950 Mark. 20 M TS zweitürig 8740 Mark, viertürig 9150 Mark, Hardtop 9700 Mark. Jahressteuer 288 Mark. Mindesthaftpflichtversicherung 460 (483) Mark.

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