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Wahlkampf um Groß-Kroatien

aus DER SPIEGEL 31/1992

Ein Drittel des Landes ist von Serbien besetzt, die Adria-Metropole Dubrovnik wird immer wieder von Belgrads Truppen beschossen. Trotzdem finden in Kroatien am kommenden Sonntag Parlaments- und Präsidentenwahlen statt. Der bisherige Staatschef Franjo Tudjman, der sich als Begründer des unabhängigen kroatischen Staates feiern läßt, gilt als Favorit. Gefährden könnten den umstrittenen Führer der Kroatischen Demokratischen Gemeinschaft allenfalls der Liberale Drazan Budisa und die Chefin der Volkspartei, Savka Dabcevic-Kucar, die 1971 als kommunistische Parteivorsitzende Kroatiens von Marschall Tito zum Rücktritt gezwungen worden war. Auch die extrem nationalistische Partei des Rechts (HSP) könnte sich neue Anhänger sichern. Parteichef Dobroslav Paraga fordert die Wiederherstellung Kroatiens »in den historischen Grenzen« - vom italienischen Triest bis zum Belgrader Vorort Zemun. In nostalgischer Anlehnung an den faschistischen Ustascha-Staat von 1945 beansprucht der HSP-Führer den slowenischen und gleichfalls den montenegrinischen Küstenstreifen sowie einen Teil der Vojvodina für Kroatien. Das umkämpfte Bosnien-Herzegowina soll nach den Vorstellungen Paragas ein zweiter kroatischer Staat werden - »wie einst die DDR bei den Deutschen«.

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_122b Kroatien-Bosnien-Herzegowina: Angestrebtes Groß-Kroatien

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