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Briefe

Wahrscheinlich billiger
aus DER SPIEGEL 38/1992

Wahrscheinlich billiger

(Nr. 36/1992, Umwelt: SPIEGEL-Streitgespräch der Umweltminister Klaus Töpfer und Monika Griefahn über Müll und Entsorgung)

Es erstaunt immer wieder, wie wenig Spitzenfunktionäre von der Alltagspraxis wissen. Herr Töpfer ist offensichtlich dabei, auf das Pyrolyse-Versprechen der Großchemie genauso hereinzufallen wie auf das Verwertungsversprechen. Die Pyrolyse ist ökologisch gesehen nicht besser als eine Verbrennung mit Kraft-Wärme-Kopplung, sie ist nur komplizierter und teurer, und sie funktioniert vorläufig noch gar nicht. Wenn Frau Griefahn Verwertungsmöglichkeiten für Kunststoffabfall nur in minderwertigen Parkbänken und Blumenkübeln kennt, hat sie neuere Kunststoffrecycling-Konzepte nicht mitbekommen. Auch wenn sie glaubt, in einer freien Marktwirtschaft ließen sich im Konsumbereich mehr als marginale Abfallvermeidungen durchsetzen, ist sie recht weit von der Realität entfernt. Ein erfolgversprechendes Konzept für die stoffliche Wiederverwertung von Altkunststoffen ist aller Wahrscheinlichkeit nach nur in einer möglichst weitgehenden sorten-/artenreinen und sauberen Erfassung der Altkunststoffe zu finden. (Dieses Prinzip gilt für alle Werkstoffe, auch aus Kühlschränken, Autos, Elektrogeräten etc.) Unter diesem Aspekt ist die gelbe Tonne des Dualen Systems ein Irrweg; das alte Sero-System der ehemaligen DDR war ein Denken in die richtige Richtung. Mit einem marktkonform weiterentwickelten Sero-System könnten wahrscheinlich mehr Kunststoffabfälle einer effektiven stofflichen Wiederverwertung zugeführt werden als mit immer komplizierteren Sortiertechniken. Und billiger als der Grüne Punkt würde es sehr wahrscheinlich auch sein. *UNTERSCHRIFT: Berlin DR. HELMUT MYLENBUSCH Mitglied des Vorstandes Kunststoff-Recycling-Zentrum-Verband (KRZV)

Niedersachsen schafft keinen Müll nach Sachsen-Anhalt und nach Thüringen. Die Transporte, die noch auf die mecklenburgische Deponie Schönberg gehen, sollen möglichst bald ganz eingestellt werden. *UNTERSCHRIFT: Hannover MONIKA GRIEFAHN niedersächsische Umweltministerin

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