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PERSONALIEN Walter Scheel, Heinz O. Krings, David Blair, Severiano Ballesteros, Kurt Gscheidle, John Robert Herzog von Bedford, Klaus Bölling, Edward Kennedy

aus DER SPIEGEL 31/1978

Walter Scheel, 59 (2. v. l.), Golfamateur, gewann und akzeptierte eine Magnumflasche »Henkell trocken« als Golf-Trostpreis. Aus einem »Profi und Amateur«-Golf-Wettspiel, zu dem Sekt-Henkell am Vortage des deutschen Golf-Championats in Köln eingeladen hatte, ging ein Team mit Scheel als Amateur auf den ergebnisgleichen Plätzen drei bis acht unter 30 Teilnehmer-Teams hervor, endete aber im Stechen auf Trostpreis-Platz acht. Scheels Amateur-Partner waren der deutsche Golf-Präsident Heinz 0. Kurt Gscheidle, 53, Bundesminister für Post und Verkehr, der 1976 bei einer Emnid-Umfrage nach Bekanntheitsgrad und Leistungseinschätzung der Bonner Minister als einer der schlechtesten abschnitt, möchte jetzt mit dem Heft »Menschen unserer Zeit« sein Image aufpolieren. So gibt die von seiner Pressereferentin Heli Bolesch-Ihlefeld verfaßte Schrift Einblick in das Polit- und Privatleben des »tapferen Schwaben": Weil »Pflicht tun« für ihn oberstes Gesetz sei, habe der »hochintelligente Alleskönner« die Bitte des Bundeskanzlers um Übernahme des Doppelressorts nicht abschlagen können. Einmal im Amt, habe der »Generalpostmeister« begriffen, daß der »Elefant« (die Bundespost) »in eine neue Richtung umdirigiert werden« müsse. Daß dieses Projekt von seinen ehemaligen Kollegen von der Deutschen Postgewerkschaft nicht unterstützt wurde, empfand der sensible Minister »als nicht gerecht«. »Doch was ist schon gerecht auf dieser Welt« fragt seine Hofschreiberin und bringt dem Leser den Menschen Gscheidle nahe: »Dieser Mann, von der Bank der Kämpfer für viele unbemerkt auf die Bank der Weisen gerutscht«, kocht gern und »liebt weite Spaziergänge«. Krings, 66 (r.), und der schottische Golf-Mogul David Blair, 61 (l.). Als Profi und eigentlicher Spielmacher des prominentesten Amateur-Teams war ursprünglich der Amerikaner Arnold Palmer vorgesehen. Nach dessen Absage wurde der Südafrikaner Gary Player wegen seiner Nationalität aus diplomatischen Gründen übersehen und statt seiner der spanische Golf-Wunderknabe Severiano Ballesteros, 21 (2. v. r.), vorjähriger Ranglistenführer in Europa, für das Spiel mit dem Bundespräsidenten eingeteilt.

John Robert Herzog von Bedford, 61, der seit Jahren mit spektakulären Mitteln seinen Familienbesitz Woburn Abbey erfolgreich vor dem Ruin bewahrt, hilft mit seiner Frau, der Herzogin von Bedford, 57, großzügig auch anderen Bedürftigen. Für je 1500 Mark Eintritt nahm das herzogliche Paar -- entsprechend dem Festmotto von Tausendundeiner Nacht gekleidet (Photo, u.) -- an einem Fest im königlichen Schloß zu Marrakesch teil. Die Einnahmen sollen armen marokkanischen Kindern zugute kommen.

Klaus Balling, 49, Bonner Regierungssprecher, fand für einen launigen Einfall ernsthafte Resonanz: Als Journalisten in der vergangenen Woche von ihm wissen wollten, ob Kanzleramtschef Schüler, der seinen Urlaub in Jugoslawien verbringt, dort insgeheim Verhandlungen über die Auslieferung der vier in Belgrad inhaftierten deutschen Terroristen führt, alberte Bölling, Schüler sei tatsächlich zu Gesprächen unterwegs, aber nicht mit den Jugoslawen, sondern mit der albanischen Regierung: Er bereite mit dem albanischen Parteichef Enver Hodscha ein Geschäft über die Lieferung eines U-Bootes vor. Hodscha habe das Schiff bestellt, um untertauchen zu können, falls er sich mit den Chinesen überwerfe. Als die Zeitungen jetzt berichteten, daß die Albaner tatsächlich mit den Chinesen in Streit geraten waren, erinnerte sich ein Kabinettsmitglied der Böllingschen Version und fragte ernsthaft nach« ob »an der Sache etwas dran« sei. Bölling dementierte. Edward Kennedy, 46, demokratischer US-Senator, der zuletzt 1974 »endgültig und bedingungslos« eine Präsidentschaftskandidatur abgelehnt hatte, wurde dieser Tage von früheren Mitarbeitern an ein besonderes Jubiläum erinnert. Weil sich 1978 zum zehntenmal der Tag jährt, an dem er »zum erstenmal auf die Kandidatur verzichtet« hat, überreichte ihm sein Ex-Pressesprecher Richard Drayne eine Torte. Inschrift: »Sollte ich nominiert werden, so werde ich nicht akzeptieren.«

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