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USA / MARGARET-BESUCH Wange an Wange

aus DER SPIEGEL 49/1965

Daheim ist Margaret nur Prinzessin. In Amerika wurde sie Königin. Zwanzig Tage lang reiste das Ehepaar Armstrong-Jones privatim durch die USA. Zwanzig, Tage lang trennte Margaret die Creme der amerikanischen Gesellschaft in Eingeladerie und Nichteingeladene. »Das Gesetz des Dschungels herrscht«, klagte eine Abgewiesene. »Für die Nichteingeladenen«, mokierte sich ein Fernsehsprecher, »bleibt nur noch der Selbstmord.«

In Washington bot eine Hochschwangere, die ihre fünf Kinder nach britischen Monarchen benannt hat, als Gegenleistung für eine Einladungskarte an, sie werde ihr sechstes Baby auf den Namen Margaret oder Anthony taufen. In Los Angeles wurden für das 100-Dollar-Ticket zum Wohltätigkeitsball mit Margaret 1000, Dollar (4000 Mark) bezahlt.

In San Francisco dagegen durften Fahrgäste der legendären Straßenbahn, die an einem Unter-Pflaster-Seil die Hyde-Straße hinauffährt, schon für zehn Cent dem Paar nahe sein.

In Hollywood huldigte neuer und alter Filmadel dem blaublütigen Paar aus dem alten Erdteil. Spaßmacher Danny Kaye, Show-Mann Fred Astaire und Choreograph Gene Kelly, baten um ein Tänzchen und fanden Gehör. Margaret raffte den Rock zum Cha-Cha-Cha. Lord Snowdon legte beim Fox seine Wange an die der sommersprossigen Schauspielerin Shirley MacLaine.

Justizminister Katzenbach und Ehefrau Lydia baten die beiden Gesellschaftstrotter zu abendlicher Party in ihr Washingtoner Heim. Irrtümlich rollte der schwarze Rolls-Royce zum Nebeneingang. Quer über den Rasen fand die Luxuskutsche doch noch den Weg zum Hauptportal.

Eine vierköpfige Combo spielte zur Begrüßung der 153 Zentimeter kleinen, blauäugigen Prinzessin den Zwanziger -Jahre-Hit »Five Foot Two, Eyes of Blue« (Fünf Fuß zwei Zoll = 157 Zentimeter) auf. Hausfrau Lydia überreichte den Snowdons ein Album mit Baby-Bildern der 60 Gäste, Ehemann Tony bekam zusätzlich einen selbstgestrickten Sweater.

Aber Präsident Lyndon B. Johnson stahl ihnen allen die Schau. Zu Ehren der Gäste lud er 140 Auserwählte ins Weiße Haus.

Sanft legte der 190 Zentimeter große Staatstexaner seine Hände zum Tanz um die kleine Britin. Vizepräsident Humphrey und Verteidigungsminister McNamara küßten ihr gänzlich unamerikanisch die Hand.

Die italo-amerikanische zweite Frau Fords II. streichelte dem italo-amerikanischen Johnson-Berater Valenti die

Backe und sagte: »Ich bin ja so glücklich, hier zu sein, Bambino.«

Johnson feierte seinen 31. Hochzeitstag. Er klärte Margarets Gemahl auf, wie man seine Frau glücklich macht: »Erstens soll sie glauben, daß sie ihren Willen durchsetzt, und zum zweiten soll sie ihn auch haben.«

Als die Snowdons ihre siebzig Koffer gepackt hatten und letzten Mittwoch nach London zurückgeflogen waren, resümierte die englische Wochenzeitschrift »New Statesman": »Nach Beatles und Scotch Whisky ist die königliche Familie Britanniens ergötzlichster Export in die USA.«

Johnson-Gäste Prinzessin Margaret (2. v. r.), Lord

Snowdon (l.), Gastgeber: Das Gesetz des Dschungels

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