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Kommunikation WAP - »Wait and pay«

aus DER SPIEGEL 12/2001

Noch während er die Eigentumswohnung besichtigt, ruft sich der Interessent per Handy aktuelle Hypothekenkonditionen ab. Später, im Taxi, ordert er bei Consors ein paar Aktien. Und bevor er zu Hause angekommen ist, hat er bei amazon.de noch schnell den aktuellen Harry-Potter-Band bestellt.

So sollte es aussehen, das Leben im Zeitalter von Wap. Nichts hat die Phantasien der Besucher auf der Cebit 2000 so beflügelt wie das Kürzel, das für »Wireless Application Protocol« steht. An den Messeständen wurde großspurig erklärt, jetzt werde das Handy zum Internet-Terminal, zur Fernbedienung für die Welt. »Das Internet hat die Finanzwelt bereits revolutioniert«, schwärmte Consors-Gründer Karl Matthäus Schmidt, »und Wap wird sie noch einmal verändern.«

Verändert hat sich seitdem nur eines: Heute spricht fast niemand mehr von Wap, das System ist ein Flop.

Nur drei Prozent der rund 50 Millionen Mobiltelefonierer in Deutschland nutzen den mobilen Zugang zum Internet. Die Tarife sind mit meist 39 Pfennig pro Minute zu teuer, die Geschwindigkeit der Übertragung ist zu langsam, die Eingabe in die Tastatur zu umständlich. Die Displays sind zu klein, die Handhabung ist zu unbequem. Kein Wunder, dass Wap bald seinen Spottnamen weg hatte: »Wait and pay«.

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