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VIETNAM / FREIWILLIGE Warten auf Ho

aus DER SPIEGEL 19/1965

In den Bergen Südchinas werden nach neuesten US-Geheimdienst-Informationen 300 000 gelbe Soldaten für Dschungel- und Partisanenkrieg gedrillt: Sie sollen als Freiwillige in den Vietnam-Krieg eingreifen, sobald Nordvietnams KP-Herr Ho Tschi-minh ein Zeichen gibt.

Doch Ho, der aus Furcht vor einer Verschärfung des amerikanischen Luftkrieges bereits Frauen und Kinder aus den Städten seines Landes evakuieren läßt, hat bisher keine Bereitschaft gezeigt, nach den bereits zweimal angebotenen chinesischen oder sowjetischen Freiwilligen zu rufen:

Die Gefahr, daß Nordvietnam durch eine Invasion zu Lande überrollt wird, ist nicht akut. Und selbst wenn sie es wäre, hätte Ho Kämpfer genug, einen starken Angreifer zu stoppen. Sein Verteidigungsminister, General Vo Nguyen Giap, hat das Land in ein Volk unter Waffen verwandelt:

> Die Volksarmee zählt 400 000 Mann.

- In 125 sogenannten Staatsfarmen in Wirklichkeit befestigte Wehrdörfer entlang der Küste und den Grenzen nach Südvietnam und Laos - wurden über 100 000 Veteranen angesiedelt, die ihre Uniformen und Waffen bei sich haben und jederzeit voll einsatzbereit sind.

- Der Volksmiliz, die, in lokalen Gruppen organisiert, täglich in Arbeitspausen Waffenübungen abhält, gehört jeder wehrfähige Bauer und Arbeiter des Landes an.

Damit kann sich Nordvietnam gegen jede Land-Invasion wehren - aber die gab es nicht. Hingegen hat das Land keine Waffen, um sich gegen jene Angriffe zu verteidigen, denen es seit zwölf Wochen pausenlos ausgesetzt ist: Attacken aus der Luft.

Dafür würde Giap moderne Düsenmaschinen, Luftabwehrraketen und Radaranlagen brauchen - aber die bekam er von den roten Brudernationen, die mit Freiwilligen-Angeboten so freigebig waren, bisher nicht oder nur in völlig unzureichendem Ausmaß.

Rotchina fehlt es selbst an solchen Waffen. Es hat weder Flugzeuge, die den amerikanischen Maschinen ebenbürtig sind, noch genug moderne Raketen.

Die Sowjet-Union zögert, den bedrohten Genossen mit modernem Material zu Hilfe zu eilen, da sie auch die Bedienungsmannschaften für Flugzeuge und Raketen stellen müßte. Dies hätte eine direkte Konfrontation mit Amerikas Militärmacht zur Folge. Der letzte derartige Versuch im Herbst 1962 auf Kuba endete für Moskau blamabel.

Selbst der Transport einiger - mehr als symbolische denn wirksame Unterstützung gemeinten - sowjetischer Luftabwehrraketen wurde von den Chinesen wochenlang behindert. So sind die ersten Sam-2-Boden-Luft-Raketen, deren Lieferung Sowjet-Premier Kossygin bereits Anfang Februar in Hanoi versprochen hatte, erst im April in Nordvietnam eingetroffen. 125 sowjetische Militärtechniker errichten seit zwei Wochen für sie um die Hauptstadt Abschußrampen.

Ho versucht unterdessen, den Amerikanern die Bombenwürfe mit eigenen Mitteln heimzuzahlen. Letzte Woche wurde unter den kommunistischen Truppen-Massierungen, die den US Hauptstützpunkt Da Nang in Südvietnam bedrohen, erstmals eine komplette reguläre Einheit aus Nordvietnam festgestellt: das 2. Bataillon des 101. Regiments von General. Giaps 325. Division.

Zerstörte Brücke in Nordvietnam: Peking kann nicht, Moskau will nicht

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