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Briefe

Wartungsfreie Kunstflora
aus DER SPIEGEL 2/1985

Wartungsfreie Kunstflora

(Nr. 51/1984, SPIEGEL-Redakteur Norbert F. Pötzl über den kranken Schwarzwald) *

Ein Lob auf unsere dynamischen Kommunalpolitiker. Anstatt im gegenseitigen Wettstreit um Kurgäste die besten und natürlich auch teuersten Kurhäuser und Bäder zu bauen, wäre es schon vor Jahren an der Zeit gewesen, Steuergelder auch für eine umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit einzusetzen. Wenn man den Kurgästen eine Gasmaske als Urlaubsgeschenk offerieren muß, werden auch dem letzten Kommunalpolitiker und hoffentlich auch dem Wähler die Augen aufgehen.

Frankfurt CHRISTOPH SCHADERER

Endlich eine Titelgeschichte des SPIEGEL zum vom Waldsterben bedrohten Schwarzwald! Das wurde höchste Zeit. Denn es ist bereits eins vor zwölf! Die witterungsmäßig bedingte Inversionslage dieses Herbstes hat die Waldsituation weiter dramatisch verschlechtert, so daß die im SPIEGEL-Bericht gemachten statistischen Angaben schon wieder weitgehend überholt sind: leider.

Freudenstadt (Bad.-Württ.) DR. PHIL. HUGO MENZEL

Eine Gruppe von Beteiligten hat sich bisher diskret aus der Diskussion herausgehalten: die Jäger - die es geschafft haben, in jahrzehntelanger »Hege und Pflege« einen unnatürlich hohen Wildbestand heranzuzüchten, der es dem Wald nicht ermöglicht, sich auf natürliche Art und Weise zu verjüngen. Schafft es ein Bäumchen, unbemerkt von Waldgetier die ersten zehn Jahre zu überleben, wird ihm spätestens dann durch »Schälen und Verbiß« der Garaus gemacht. Hier hilft nur eins: Abschaffung des Hobbyjägertums.

Rothwesten (Hessen) ERNST METZLER

Selten einmal wurde es so deutlich gemacht: während die Betroffenen beziehungsweise ihre Repräsentanten gläubig der Mosaiktheorie anhängen, wird über ihre Köpfe hinweg der Löwenanteil des Drecks unablässig herangeweht. Und da wird wohl auch weiterhin Ruhe im Musterland sein: bei den zahlreichen Treffen, Empfängen und Volksfesten zur Pflege der Freundschaft über die Grenze hinweg hat die entspannte Atmosphäre stets Vorrang vor dem Risiko, mit ein paar deutlichen Worten zumindest auf Lokal- und Regionalebene einmal klarzumachen, was man von dieser Art der deutsch-französischen Freundschaft hält.

Frankfurt FRIEDBERT WEBER

Auch Ihrem Bericht über das Waldsterben haftet der Mangel an, daß die Umweltbelastung durch Flugzeuge nicht mit einer Silbe erwähnt wird. Bekanntlich liegen am Fuß des Schwarzwaldes beziehungsweise in seiner unmittelbaren Nähe zahlreiche stark frequentierte Zivil- und Militärflughäfen. Der Schwarzwald selbst ist Tieffluggebiet.

Seelbach (Bad.-Württ.) JOACHIM BIEHN

Statt über das Waldsterben und seine Ursachen zu lamentieren, sollte man besser innovativ werden und diesen Prozeß ökonomisch sinnvoll ausschlachten. Mein Vorschlag ginge in Richtung Neuanpflanzung mit einer wartungsfreien Kunstflora, deren Massenproduktion sich einerseits belebend auf den Arbeitsmarkt und andererseits verstärkend auf

den für den Fremdenverkehr so wichtigen Randeffekt auswirken könnte (Schluchtseeffekt!). Bezogen auf den Schwarzwald müßte folglich das Waldsterben gezielt unterstützt und forciert werden, um einen Wettbewerbsvorsprung gegenüber anderen konkurrierenden (degradierten) Mittelgebirgswäldern herauszuholen.

Schöneberg (Rhld.-Pf.) PETER KRIEG

Nur so kann der Schwarzwald gerettet werden: die Schwarzwälder treten ihren Wald an einen Konzern ab. Danach bestimmt die Bundesregierung die Höhe der Subventionen zur Rettung des Schwarzwaldes.

Reinheim (Hessen) GERHARD HUFF

BRIEFE

Bank bürgt

(Nr. 52/1984, Affären: Enthüllungen im Prozeß gegen einen mutmaßlichen Scheckbetrüger) *

Sie behaupten, der Angeklagte Schrayvogel habe das Bankgebäude Bruchtorwall 6-7 in Braunschweig »den Bankern« zum Nulltarif abgeschwatzt und damit der Landeszentralbank in Niedersachsen »seinen größten Streich« gespielt. Was der Leser nicht erfährt: Die Landeszentralbank ist außerhalb des Grundbuchs durch eine Bankbürgschaft sichergestellt. Deshalb sind auch die Überlegungen in dem Artikel zum weiteren Verhalten der Landeszentralbank bis zum Umzug ihrer Hauptstelle Braunschweig in den Neubau reine Spekulation.

Hannover RADOW Justitiar der Landeszentralbank in Niedersachsen

BRIEFE

Milliarden-Fehler

(Nr. 51/1984, Briefe) *

Bei der Wiedergabe meines Leserbriefes hat sich ein Setzfehler eingeschlichen. Richtig muß es heißen: Die Steuerbeschlüsse seit 1972 (einschließlich der Investitionszulage vom 3. Juni 1982) haben den Unternehmenssektor mit 5,627 Milliarden Mark (nicht 5627) entlastet und die privaten Haushalte - und hier insbesondere die unteren und mittleren Einkommensbezieher - mit 8,353 Milliarden Mark (und nicht 8353) belastet.

Bremen PROF. DR. RUDOLF HICKEL

BRIFE

Todesschwadronen

(Nr. 50/1984, Soziologie: Dirk Käsler über Niklas Luhmanns »Soziale Systeme") *

Dirk Käsler konzipiert im Auftrage der Hamburger Todesschwadronen Haßtiraden auf Luhmanns komplexes System des Theorems der Systeme, ohne vom Geist jenes Niklas Luhmanns und seinem Lebenswerk inspiriert zu sein. Trotzdem, die vom Luhmann-Bazillus Infizierten werden auch weiterhin, mehr oder weniger exzessiv, seine brillante »Theorie der Theorien« reflektieren.

Bielefeld UDO SCHÖPPNER

Käsler gefällt sich in einer Polemik gegen die systemtheoretische Sprache. Was keinem Chemiker oder Mathematiker streitig gemacht wird - eine für Laien unverständliche Fachsprache -, wird der Soziologie, noch dazu von einem Vertreter der eigenen Profession abgesprochen: so, als ob die soziologische Analyse in der Begriffswelt der Alltagssprache praktizierbar wäre.

Bielefeld WILFRIED GOTSCH UWE SCHIMANK

Dirk Käsler hat nach dem »Peter-Prinzip« offensichtlich seine eigene Stufe der ihm möglichen Inkompetenz erreicht. Dies zeigt seine Rezension von Luhmanns Buch »Soziale Systeme«, dem er - wie dem gesamten Werk Luhmanns - in einer »Schnellantwort« bescheinigt, daß die Theorie zu »nichts« taugt. Selbst wer kein »Luhmann-Fan« ist, muß anerkennen, daß Luhmanns Arbeiten gerade in ihrer Verfremdung alltäglicher Sichtweisen Entscheidendes zur Erhellung der konkreten gesellschaftlichen Wirklichkeit beigetragen haben.

Hannover PROF. DR. ROLF-PETER CALLIESS Universität Hannover Fachbereich Rechtswissenschaften

Käslers »Rezension« ist ein reiner Blindflug. Schade, daß er nicht einmal über die Instrumente verfügt, sich so lange über den Wolken zu halten, bis er verstanden hat, worum es in Luhmanns Buch geht. Käsler ist zumindest insofern konsequent, als er zum Inhalt des Buches nichts zu sagen hat.

Bielefeld PROF. DR. JUR. HELMUT WILLKE Fakultät für Soziologie an der Universität

Der SPIEGEL ist das einzige Print-Medium, das gegenüber unseren Großphilosophen einen kühlen Kopf behält.

Hamburg ROMAN R. LANDAU

BRIFE

»Nicht widerrufen«

(Nr. 50/1984, Panorama: Schlamperei mit Folgen) *

Sie behaupten, ich hätte mich Ende Oktober mit Herrn Minister Steger »über harte Auflagen für die Atomfabriken Alkem und Nukem« geeinigt. Es sei ausgemacht worden, »die Produktion von hochangereichertem Uran stark einzuschränken«. Diese Vereinbarung hätte ich später widerrufen. Diese Darstellung

entspricht nicht den Tatsachen. Ich habe weder Oktober 1984 noch zu einem anderem Zeitpunkt mit Herrn Minister Steger derartige Vereinbarungen getroffen. Es kann deshalb auch nicht zu einem späteren Widerruf gekommen sein.

Bonn FRANZ KROPPENSTEDT Staatssekretär im Bundesministerium des Innern

BRIEFE

Fußnoten-Salat

(Nr. 49/1984, SPIEGEL-Gespräch mit Golo Mann zur Flick-Affäre und zur Tugend in der Politik) *

Das SPIEGEL-Gespräch mit Golo Mann bestätigte mir, daß es viel schwieriger ist für einen intelligenten Bürger, steuerehrlich zu sein als für einen weniger begabten, obwohl die Natur den ersten besser ausgerüstet hat, den Unterschied zwischen Gesellschaftsordnung und -unordnung zu erkennen.

Tokio RUDOLF VOLL

Die aufgelöste Republikanische Volkspartei hatte offene Beziehungen mit Sozialdemokratischen Parteien in befreundeten Ländern, einschließlich der SPD, und zwar mit Kenntnis der Administration. Aber die Republikanische Volkspartei hat weder von der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands oder eines anderen Landes noch von irgendeiner anderen Partei, Stiftung oder Institution direkte oder indirekte materielle Hilfe erhalten.

Ankara (Türkei) BÜLENT ECEVIT

Na, da sind wohl zwei Historiker aneinandergeraten: vom Hundertsten ins Tausendste. Aber interessant war's allemal. Wenn das ganze Thema nur nicht so erbärmlich wäre ...

Zürich BEAT DÖRR

Jede geschichtliche Entwicklung beginnt auf dem Relevanz-Niveau einer »Fußnote«. Das Problem ist es unter Umständen, sie dort zu halten. Dies ist bei den vielen Fußnoten der Weimarer Republik nicht gelungen und hat dann zum Fußnoten-Salat (sprich: Zweiter Weltkrieg) führen können. Erschreckend ist doch nur, daß die berühmten Selbstheilungskräfte der Demokratie erst wachgepeitscht werden müssen, bevor sie zu wirken beginnen.

Köln WOLFGANG KLITZSCH Universität Köln

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