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Arglist oder Dämlichkeit Warum "FAZ"-Mitherausgeber Holger Steltzner gehen musste

Holger Steltzner fiel rasch, tief und allein. Ihm wird vorgeworfen, bei der "FAZ" gegen einen Kollegen intrigiert zu haben.
Von Markus Brauck und Ulrike Simon
aus DER SPIEGEL 26/2019
Herausgeber Steltzner 2016

Herausgeber Steltzner 2016

Foto: HARTMUT BÜHLER

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Herausgeber bei der "Frankfurter Allgemeinen" zu werden, das war mal was. Es war eine Berufung, wie es sie im deutschen Journalismus kein zweites Mal gab. Ein Krönungsakt fast, der aus einem einfachen Redakteur einen mächtigen Mann machte. Das Gehalt enorm. Der Vertrag unbefristet. Der Einfluss: kaum zu überschätzen. Es war der Aufstieg zur Mitregentschaft in einem Reich, in dem das Geld beständig durch die Anzeigenabteilung herein- und durch die Redaktion wieder hinausströmte.

Ansonsten blieb fast alles beim Alten: Auch als Herausgeber schrieb man weiter seine Texte, nun allerdings mit mehr Glanz. Neu war eigentlich nur die wöchentliche Konferenz mit den anderen Herausgebern, in der man darüber redete, ob man die vielen Millionen für neue Redakteure ausgeben oder aufs Festgeldkonto verschieben sollte.

Es waren herrliche Zeiten für die "FAZ", und man kann verstehen, dass Berthold Kohler manchmal melancholisch wird. Kohler ist seit 20 Jahren "FAZ"-Herausgeber", seit 30 Jahren "FAZ"-Redakteur, und er hat sie noch erlebt, die Jahre, in denen das Blatt samstags 200 Seiten mit Stellenanzeigen füllte. Und man nur deshalb nicht noch mehr von ihnen druckte, weil die Post gedroht hatte, die "FAZ" nicht mehr als Zeitung auszuliefern, sondern als Päckchen.

"Wir mussten damals Anzeigen ablehnen. Monat für Monat schoben wir einen Millionenumsatz vor uns her", sagt Kohler, lächelt und verweilt für einen Moment in der Vergangenheit.

Die Gegenwart ist leider gar nicht golden, nicht mal bronze. Die Auflage sinkt beständig, nach ein paar Jahren mit Gewinnen (dank eines harten Sparprogramms) schlittert der Verlag wieder Richtung Verlustzone. Die Website rangiert hinter denen von "Welt" und SPIEGEL. Und publizistisch erfüllt die "FAZ" alle drei Kriterien, die es heute braucht, um anachronistisch zu erscheinen. Sie ist eher alt, eher weiß, eher männlich.

Zur allgemeinen Krise der Branche kommt bei der "FAZ" hinzu, dass die Herausgeber gerade selbst das perfekte Bild liefern, das die Krise des Blattes illustriert und personifiziert. Vier Männer über fünfzig, drei davon mit Bart. Der mächtigste, tonangebende ist Kohler. "Berthold und die Teddybären", lästern "FAZ"-Redakteure.

Der fatale Eindruck der Gestrigkeit hat sich verschärft, nachdem die Herausgeber im März einen der Ihren, Holger Steltzner, hinausgeworfen haben. Von "Vertrauensbruch" war die Rede. Das war eine ziemlich spektakuläre Begründung, gemessen daran, dass die Herausgeber sonst einen wohlerzogenen Umgang miteinander pflegen. 

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