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Briefe

Warum hinkt Deutschland hinterher?
aus DER SPIEGEL 16/2007

Warum hinkt Deutschland hinterher?

Nr. 14/2007, Bildung: Eltern rebellieren gegen die Schulpflicht

Es ist schon sehr unverständlich, warum der deutsche Staat so vehement gegen Homeschooling ist. Schließlich findet es doch tagtäglich bei Millionen Familien statt: Wenn die Eltern oder privaten Nachhilfelehrer den von Schülern allzu häufig nicht verstandenen, weil äußerst miserabel dargebrachten Unterrichtsstoff zu später Stunde mühsam nachbüffeln müssen. Ohne diese Art von Homeschooling würde das komplett verkrustete deutsche Schulsystem wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen.

BERLIN EMILIA HAPPI

Ist dem Bremer Ehepaar Neubronner und anderen »Homeschoolern« die Tragweite der von ihnen eingeforderten Gesetzeslücke denn nicht bewusst? In einem Staat, in dem es nicht gelingt, Kinder vor tödlichen Vernachlässigungen ihrer eigenen Familie zu bewahren, stellt die Schule manchmal die einzige Chance dar, um auf lebenskritische Situationen aufmerksam zu machen. Ist es vor dem Hintergrund sinnvoll, eine Norm als antiquiert in Frage zu stellen und damit der familiären Willkür die Tür weiter zu öffnen, wenn doch die Institution Schule gefährdeten Kindern Obhut bieten kann?

BERLIN CHRISTINE HUPE

Man fragt sich, warum Deutschland der restlichen Welt hinterherhinkt. Ich wuchs in Neuseeland auf und wurde zu Hause unterrichtet. Mit vier konnte ich schreiben, mit sieben las ich Romane. Ich lernte Deutsch, Französisch, Latein, übte Rollkunstlauf, Schwimmen, Töpfern, Wandern, machte einen Einser-Abschluss, studierte und bin heute Übersetzerin. Mein Bruder war hyperaktiv, machte alles etwas langsamer - dank der Heimschulung kein Problem - und ist jetzt Mechaniker. Eine ganz normale Familie eben, deren Werdegang hierzulande unmöglich wäre.

REGENSBURG GRACE BRIDGES

Was zu viel ist, ist too much. Nun auch noch Homeschooling! Ist das Selfbetraying oder Highstapeling oder nur ein weiteres Beispiel für Germanirrness? Ihre Autorin hätte gut und gern noch Posauning, Lesing und Schreibing benutzen dürfen, von Lerning ganz zu schweigen. Ich bin für: Vergessing.

HANNOVER HARTMUT BRINKMANN

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