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ENGLAND Warum nur, warum

Ab 1972 zahlt England seinem Königshaus mehr Geld. Vor allem Prinzessin Margaret kommt die Briten teurer.
aus DER SPIEGEL 52/1971

Sie tut noch weniger als ihre alte Mutti«, wütete in der vergangenen Woche der Sozialist und Republikaner William Hamilton im Londoner Unterhaus. »Warum nur, warum«, so schmetterte der Schotte, »geben wir dieser kostspieligen, ausgehaltenen Frau solche Gehaltserhöhung?«

Die Gehaltserhöhung für die Frau beträgt 133 Prozent. Ab 1972 zahlt England der Photographengattin Margaret, einziger Schwester von Elizabeth II., statt 15 000 Pfund Sterling 35 000 Pfund (288 000 Mark).

Freilich, auch Königin, Prinzgemahl, Königinmutter und drei von vier Königskindern bekommen laut Parlamentsbeschluß im neuen Jahr mehr Geld für die Erfüllung angeblich staatserhaltender Pflichten. So ist den Volksvertretern die Repräsentation durch ihre steinreiche, steuerfreie Queen doppelt soviel wert wie in den Jahren nach 1952: Ihre Staatsbezüge pro Jahr werden jetzt von 475 000 auf 980 000 Pfund, etwa acht Millionen Mark, heraufgesetzt.

Doch mehr als an den 106 Prozent Zuschlag für die Königin erregten sich Parlamentarier und Presse an der Apanage-Aufwertung für Margaret. Selbst das streng konservative Sonntagsblatt »News of the World« fragte, ob Margaret die Summe wert sein könne. Sie sei mit einem »erfolgreichen und vermutlich hochbezahlten« Photographen verheiratet, und »wir Bedenken ihr pro Woche 670 Pfund zu zahlen«. »Wie«, sorgte sich das Blatt, »wird sie das denn alles ausgeben?«

Die zage Kritik von rechts bestätigt, was Paula James, Hofkorrespondentin des linken »Daily Mirror«, schon vor einem Jahr mutmaßte: »Wenn es eine Abstimmung über die Popularität der »Royals' gäbe, käme Prinzessin Margaret so ziemlich zuunterst.«

Daß sie 1955 einen Bürgerlichen aus zweiter Hand, den geschiedenen Fliegeroffizier Peter Townsend, heiraten wollte, wurde ihr im prä-permissiven Zeitalter übelgenommen. Margarets unstandesgemäße Liebesheirat mit dem bürgerlichen Photographen Antony Armstrong-Jones hingegen gefiel sentimentalen Briten wie die Mär von der Prinzessin und dem Schweinehirt. Doch dieselben Sentimentalen im Volk waren empört, daß die Prinzessin, als sie erstmals geboren hatte, mit ihrem Mann Urlaub auf den Antillen machte, anstatt ihr Baby zu wiegen.

Das Volk murrte auch, als 1962 Tonys und Margarets Wohnsitz, der Londoner Kensington Palace, auf Staatskosten für 85 000 Pfund renoviert wurde. »So ein raffiniertes Heim«, moserte damals die Sonntagszeitung »The People«, »braucht sie doch gar nicht.«

Die ausländische Regenbogenpresse berichtete gar über eine bevorstehende Scheidung im Hause Armstrong-Jones, die nicht eintraf, doch die Ehegatten zankten sich vor Freunden mit einer solchen Lust, wie sie in England und schon gar bei Windsors außergewöhnlich ist. Seither spätestens gilt Margaret als zickig.

»Denk an deinen Blutdruck«, mahnte der nachträglich geadelte Tony unlängst seine zürnende Prinzessin, und »Du siehst zum Fürchten aus« fand er, als seine seit Mädchentagen rundum gewichtiger gewordene Margaret in blumiger Bluse und einem langen gelben Rock zu einer Dinner-Party erschien.

Derlei Pikanterien zollt die britische Boulevardpresse seit geraumer Zeit mehr Aufmerksamkeit als dem offiziellen Treiben der Königin-Schwester, das, so rechnete das parlamentarische Apanagen-Komitee aus, noch hinter dem der Königinmutter zurückbleibt.

177mal trat Prinzessin Margaret im vergangenen Jahr als Vertreterin der britischen Monarchie auf: bei Wohlfahrtsveranstaltungen, Dinners, in Gemeinden und beim Militär zur Inspektion. Ihre »alte Mutti« (Hamilton) vertrat das Königshaus in derselben Zeit immerhin 200mal für 70 000 Pfund Apanage. Neuerdings sind es 95 000, und das macht, so der Labour-Abgeordnete Hamilton (der auch Mitglied des Apanagen-Komitees ist), 450 Pfund »pro Auftritt«.

»Wegen ihrer Nähe zum Thron«, so hatte das Komitee befunden, sei es den Mitgliedern des Königshauses nicht möglich, auf normale Weise Geld zu verdienen. Und darum müsse man ihnen Apanagen gewähren.

Dennoch: »Einige« der Bezugserhöhungen für das Königshaus, das fand auch die täglich erscheinende Bibel britischer Finanzleute, die »Financial Times«, seien »schwer zu rechtfertigen«.

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