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Briefe

»Was damals Recht war...«
aus DER SPIEGEL 5/1979

»Was damals Recht war...«

(Nr. 3/1979, Fernsehen: Klaus Umbach über die US-Serie »Holocaust")

Die Filmemacher haben uns vor der Weltöffentlichkeit zu stellen vermocht. Unausweichlich erheben sich die Fragen: Wie konnte dies in meinem Volk geschehen -- wie beurteile ich heut mein damaliges Verhalten -- wo sehe ich heut Gefahren der Unmenschlichkeit in unserer BRD -- wo sehe ich Chancen, ihnen prinzipiell entgegenzuwirken?

Braunschweig U. BERGER-GEBHARDT

Der Film »Holocaust« besteht aus Symbolfiguren. Wenn einige von ihnen mit Himmler, Heydrich oder Eichmann bezeichnet werden, ist man versucht zu glauben, es handle sich um eine Dokumentation, einen Beitrag zur Zeitgeschichte. Was den Film wertvoll macht, ist die Beantwortung der Frage: Wie entstand und wie entsteht immer neu der Antisemitismus.

Todendorf (Schlesw.-Holst.) LINA HEYDRICH

Die Unmenschlichkeit lauert überall. Man darf sie keine Sekunde aus den Augen lassen. Für Abhilfe zu sorgen ist Aufgabe eines jeden einzelnen Menschen bei jeder einzelnen Gelegenheit.

Bernau (Bayern) HEIDE SHERER

CSU-Frauen-Union

Herrn Filbinger und Gesinnungsgenossen: »Was damals Recht war, kann heute nicht Unrecht sein!«

Wiesbaden CLAUS GOLLEMBEK

Wenn der WDR schon seit Jahren viel Linkslastiges bietet, so wird jetzt dem Faß der Boden ausgeschlagen. Hauptzweck der Schaffung dieses Films war und ist offenbar, wieder einmal die Deutschen zu diffamieren und das deutsche Volk für die Verbrechen des Herrn Himmler und seiner Helfershelfer mit verantwortlich zu machen. Gießen (Hessen> FRIEDRICH ZIMMER

Gilt ferner zu hoffen, daß die langsame Entwicklung dieser Zustände auch jenen Herren einsichtig wird, die den aufkeimenden Neonazismus bagatellisieren. Berlin J. EINELE

Nur gut, daß das importierte Judokitschical aus dem Dreckkanister mit seinem sechsteiligen Bluffetikett in Nebenkanäle abgeleitet wird. Dem ZDF bleibt das Lob einer mutigen Ignoranz; seinen Programmverantwortlichen zudem der Vorwurf der Heuchelei erspart.

Wiesbaden ERNST O. NICOLAUS

Es wäre wünschenswert, daß sich auch die unbelehrbaren ehemaligen »PGs« und die oft noch recht selbstherrlichen hohen NS-Militärs diesen Film ansehen würden. Es wäre deshalb nützlich, weil sie vielleicht endlich erkennen würden, für welches verbrecherische Regime sie ihre unwissenden und durch NS-Propaganda falsch programmierten Soldaten gedankenlos in diesen unsinnigen Krieg geschickt haben. Reinbek (Schlesw.-Holst.)

DR.-ING. KARL-HEINZ STELNICKE Architekt

Dieser Propagandaschinken mit seiner Schwarzweißmalerei erfüllt den Tatbestand der Volksverhetzung und ist ein typisches Beispiel für die Fortführung des Zweiten Weltkrieges gegen das deutsche Volk mit den Mitteln der Propaganda.

Hilchenbach (Nrdrh.-Westf.)

GÜNTHER JUST

Als Lehrer hörte ich von Schülern schon mehrfach, die Zahlen und Dokumente von Nazi-Greueln seien »frisiert«, ja stark übertrieben. Für diese Denkweise wird »Holocaust« Wasser auf die Mühlen sein. Dietenbronn (Baden-Württ.) HERMANN WALTER Schriftsteller

Diesen Film, der so unter die Haut geht, als »Konsumartikel« mit »allzu süffiger Süße«, als »Spektakel«, als »sieben Geschichtsstunden im Geschmack der Crackers-Kultur« und so weiter abzutun, empfinde ich als völlig danebengegriffen und verantwortungslos.

Hannover MECHTHILD OLLROG

Lehrerin

Angesichts der neuen neonazistischen Umtriebe vielerorts halte ich es für durchaus richtig, diese Sendung hier in Deutschland zu zeigen.

Münster FRANK SCHWERDTFEGER

Theologiestudent

Holocaust -- was doch überwog, war die Tatsache, daß an den Mitgliedern der weithin glaubhaft und gewiß auch »technisch gekonnt gespielten« Familie Weiß erfahrbar wurde, daß nämlich die Hölle der Judenverfolgung einzelne Menschen traf, millionenfach, was sonst allzuleicht bei Historikern zu abstrakten Gemälden und bei Soziologen zu Krüppel-Strukturen gerinnt (nicht bei allen, wie besonders bei Eugen Kogon sichtbar wurde).

Freiburg DR. JOSEPH SCHEU

Daß »Holocaust« nicht für Grundschüler geeignet ist, meine ich auch, aber für ältere Schüler ist er sehr sehenswert, denn ich weiß aus eigener Seherfahrung, daß dieses Thema in der Schule immer zu kurz kommt. Es bleibt im Laufe eines Schuljahres allerhöchstens ein Monat (zwei Geschichtsstunden pro Woche) für die gesamte Zeit des Nationalsozialismus. Und wenn dann irgendwelche Leute sagen, »man sollte die ganze Sache auf sich beruhen lassen«, kann ich mich als Schüler mit solchen Menschen nicht solidarisieren. Ich könnte mir nur vorstellen, daß sie vielleicht kein ganz gutes Gewissen haben und nicht gerne daran erinnert werden möchten -- wer weiß?

Sörup (Schlesw..Holst.) JOCHEN SZECH, 16

Schüler des Gymnasiums Satrup

Sie alle haben demnächst zu entscheiden, ob die Naziverbrechen ab 1980 verjährt sind. Wir waren während der Vorbereitungszeit für unseren Dienst in Israel auch im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz. Es wäre für uns eine grausige Vorstellung, daß ein Dr. Mengele nach einer eventuellen Verjährung nach Deutschland zurückkehrt und sich auf neonazistischen Veranstaltungen seiner Taten rühmt wie zum Beispiel Herr Rudel seiner »Kriegserfolge«. Ohnehin verstärken sich zur Zeit die Aktivitäten der Neonazis in der Bundesrepublik besorgniserregend. Eine Verjährung von Naziverbrechen müßte solchen Kreisen als Bestätigung, ja Triumph, vorkommen. Wir bitten deshalb jeden einzelnen von Ihnen sehr eindringlich, gegen die Verjährung der Naziverbrechen einzutreten.

Jerusalem FREIWILLIGE DER »AKTION SÜHNEZEICHEN/FRIEDENSDIENSTE« IN ISRAEL (22 Unterschriften)

Ich habe geweint, geweint, geweint. Hamburg SIEGLINDE TIMM, 17

Schülerin

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