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Briefe

Weidet der Papst so seine Schafe?
aus DER SPIEGEL 2/2003

Weidet der Papst so seine Schafe?

Nr. 52/2002, Kirche: Das Drama um die illegitimen Kinder katholischer Priester

Auch hier wieder müssen die Kinder die Dummheiten der Erwachsenen ausbaden. Wie naiv muss eigentlich eine Frau sein, um sich mit einem katholischen Geistlichen einzulassen und dann auch noch ein Kind mit ihm in die Welt zu setzen? Für die Herren in der schwarzen Kluft gibt es keinen Anlass, den Zölibat zu kippen. Ihre Ehelosigkeit bedeutet in Wirklichkeit ein Privileg, sich aus jeder Verantwortung zu stehlen.

HAMBURG DR. KARSTEN STREY

Als ein dem Zwangszölibat verpflichteter Priester weiß ich nach 20 Jahren, was diese widernatürliche Lebensform mit sich bringt: bedrückende Einsamkeit in einem leeren Pfarrhaus, Sehnsucht nach Gemeinsamkeit, Angst vor dem Älterwerden, Gefühl des Verlassenseins. Ständig muss ich mir alberne, aber doch berechtigte Äußerungen zu dieser Existenzform anhören und darauf irgendeine Antwort finden. Ich möchte keinem jungen Menschen raten, freiwillig den Zölibat auf sich zu nehmen, da dieses fragwürdige Opfer letztendlich in keinem Einklang mit den priesterlichen Aufgaben steht.

MÜNCHEN DR. MARTIN SCHUBERT

Als Vater von vier Kindern stellte ich mir spontan die Frage: Was hätte ich als Priester getan? Und ebenso spontan fiel mir nur eine richtige Lösung ein: Ich hätte meine Soutane an den Nagel gehängt, mich notfalls als Tellerwäscher verdingt und mich zu meinen Kindern und meiner Frau bekannt.

BAMBERG DR. EDGAR WALDMANN

Mein Onkel hat sich das Leben genommen, weil er die Liebe zu einer Frau und seine Berufung zum Priesteramt nicht vereinbaren durfte. Der Priester meiner Heimatgemeinde hat in hohem Alter den Freitod gewählt. Weidet der Papst so seine Schafe? Dass diese Zustände auch und gerade von den christlichen Parteien geduldet werden, ist unerträglich. Wann genießen jeder Priester, jede Priesterfrau und jedes Priesterkind endlich die gleichen Grundrechte wie jeder andere Bürger?

WIENHAUSEN (NIEDERS.)

ANDREAS SCHLEICHER

Wenn ich mich in einen Priester verliebe, kenne ich die Konsequenzen. Wenn aus dieser Beziehung ein Kind entsteht, kann ich nicht laut lamentieren und mein Recht auf eine »normale Familie« geltend machen. Frau ist ein Risiko eingegangen und muss die Konsequenzen tragen. Frau kann nicht ein Spiel spielen, zuerst die Regeln akzeptieren und dann ändern wollen.

GILCHING (BAYERN) RAMONA KUHLA

Der Zölibat dient als sehr plastischer Beweis für die Idiotie, die vielen katholischen Dogmen inhärent ist - und trägt zum begrüßenswerten Mitgliederschwund bei, also soll er bitte schön beibehalten werden. Schade nur, dass hier wieder einmal Kinder für die Dummheit ihrer Eltern büßen müssen.

FREIBURG DAVID HARNASCH

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