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USA / NEGER Weiße raus

aus DER SPIEGEL 32/1961

Er nennt sich Elijah Muhammad, betrachtet seinen bürgerlichen Namen Poole als »Sklavennamen« und läßt sich von seinen 100 000 schwarzen Anhängern als »Bote Allahs« verehren.

Als Führer der größten militanten Neger-Organisation Amerikas muß sich der 63jährige Familienvater, der mit Frau und sieben Kindern, ein 19-Zimmer-Haus im Universitätsviertel von Chicago bewohnt, demnächst vor einem Untersuchungsausschuß des amerikanischen Kongresses verantworten.

Gegenstand der Untersuchung: Muhammads »verlorene, aber wiedergefundene Nation des Islam in Nordamerika« (Lost-Found Nation of Islam in North -America), die den schwarzen Mann als den wahren Herrscher dieser Erde ansieht, alle Weißen als »Mörder und Lügner von Natur« bezeichnet und von der US-Regierung die Abtretung von neun bis zehn Staaten an der Südwestküste fordert, um dort eine eigene schwarze Nation aufbauen zu können.

»Die Muslims«, warnte das US-Nachrichtenmagazin »Time«, erregen steigende Besorgnis bei den achtbaren Negerführern... bei den Polizeiverwaltungen einzelner Städte und bei der Bundeskriminalpolizei (FBI).«

Der Anlaß solcher Sorgen: Muhammads Drang nach eigenem Land, dem er durch schnelle Vergrößerung seiner Organisation Nachdruck zu verleihen sucht. Bis zum Jahresende soll seine Bewegung eine Million, bis Ende 1964 gar fünf Millionen Mitglieder umfassen.

Noch besorgniserregender freilich ist der Umstand, daß Muhammad seine Forderungen notfalls gewaltsam durchsetzen will. Diesem Ziel dient eine von seinem Schwiegersohn Raymond Scharrieff geleitete Geheimarmee, deren jugendliche Mitglieder bereits seit Jahren unter der poetischen Tarnbezeichnung »Früchte des Islam« (Fruit of Islam) einem harten militärischen Training unterzogen werden.

Die strenge Disziplin innerhalb der »Muslim«-Bewegung und die Überzeugungskraft, mit der Muhammad und sein Stellvertreter Malcolm X* 'ihre Ideen missionarisch verbreiten, sind der Grund dafür, daß Muhammads Organisation von Weißen und gemäßigten Neger-Intellektuellen mit steigendem Argwohn verfolgt wird.

Muhammad begann seine Propheten -Laufbahn im Jahre 1931. Damals erschien, wie die Muslim-Legende berichtet, einSchwarzer namens Fard Muhammad in Detroit. »Allah«, so wird Fards

Erscheinung gedeutet, »kam auf die Erde, um sich seinen irdischen Boten auszuwählen.« Unbemerkt wie er gekommen war, verschwand Fard drei Jahre später. Seine Wahl war auf Elijah Muhammad gefallen.

Der Muslim-Führer, den FBI-Beamte 1942 unter dem Bett seiner Mutter entdeckten, wo sich der Wehrdienstverweigerer, der später zu vier Jahren Gefängnis verurteilt wurde, versteckt hatte, stützt sich bei der Werbung für seine Bewegung vor allem auf seine ihm treu ergebenen Prediger ("ministers").

Auf Massenversammlungen, zu denen nur Schwarze Zutritt haben, predigen sie und der Bote Allahs die Doktrin der Muslims, die sich nur in einigen, willkürlich herausgegriffenen Punkten an den Koran-Glauben der orientalischen Muselmanen anlehnt.

»Jesus war ein schwarzer Muslim«, dröhnt der Bote Allahs in die Runde seiner oft über 10 000 Zuhörer, die vor Betreten des Saales von »Früchten des Islam« auf Waffen abgetastet werden und, nach Geschlechtern getrennt, verschiedene Eingänge benutzen müssen. Und: »Gott hat uns Schwarze zu den ständigen Herrschern der Erde bestimmt.«

Alle Muslims müssen einen ganzen Katalog von Vorschriften anerkennen. Alkohol und Tabak, Kosmetika und Rauschgifte, Gebratenes sowie Schweinefleisch in jeder Form ("Im Schwein finden sich alle Eigenschaften des weißen Mannes"), empfängnisverhütende Mittel und Völlerei stehen auf der Verbotsliste; wer sie verletzt, wird ausgeschlossen.

Zu den Geboten gehört, daß die Muslims fünfmal täglich in Richtung Mekka beten, immer sauber gekleidet, gewaschen und rasiert auftreten und ein Drittel ihres Jahreseinkommens an die Gemeinde abführen.

Heute verfügen die Muslims über mehr als 70 Tempel in 50 verschiedenen Städten der USA und planen den Aufbau eines großen Muslim-Zentrums in der Nähe von Chicago. Das »Chicago Islamic Center« soll 20 Millionen Dollar kosten, eine Moschee, Lehr- und Unterrichtsräume, eine Bücherei und ein 400 -Betten-Hospital erhalten.

Vor allem beim Neger-Proletariat hat Muhammad mit seiner Lehre erstaunliche Erfolge aufzuweisen. Nach dem Urteil des amerikanischen Neger-Akademikers Dr. Eric Lincoln, der jüngst eine vielbeachtete Untersuchung der Muslim-Bewegung* verfaßte, gibt Muhammad den Schwarzen ihren Glauben an sich selbst zurück, bekehrt sie und gewinnt so treue und fanatische Anhänger.

Nach dem Willen Muhammads soll die Trennung von Schwarz und Weiß auf wirtschaftlichem Gebiet beginnen. Seine Anhänger fordert der Bote Allahs auf, ihr Geld möglichst nur in solchen Unternehmungen anzulegen und auszugeben, die von Muslims ausschließlich für Neger betrieben werden. Dazu gehören Restaurants, Cafés, Wäschereien, Friseurgeschäfte, Warenhäuser, Farmen und eine eigene Zeitung, der »Los Angeles Herald-Dispatch«.

»Die schwarzen Muslims«, befindet Dr. Lincoln, »führen einen ökonomischen und ideologischen Krieg gegen die Weißen, der, so versichern sie, erst aufhören wird, wenn die weiße Rasse verschwunden ist.«

Obgleich Muhammad unter den Neger -Intellektuellen vorerst kaum Unterstützung findet - einmal freilich trat ein Neger-Geistlicher mit seiner gesamten christlichen Gemeinde zu den Muslims über -, drängt er auf schnellen Zusammenschluß der Schwarzen. Auf einer Reise nach Mekka sahen er und sein Stellvertreter Malcolm X nämlich, welche Rechte die afrikanischen Neger bereits errungen haben.

»Die Muslims fürchten«, so deutet Autor Lincoln die Eindrücke dieser Reise, »daß die Afrikaner... ihre amerikanischen Brüder als einziges Symbol rassischer Unterlegenheit hinter sich zurücklassen, als Symbol des politisch und gesellschaftlich deklassierten schwarzen Mannes.«

Diese Zwangsvorstellung hat letztlich dazu geführt, daß Muhammad und Malcolm X den Aufbau ihrer Geheimarmee, der »Früchte des Islam« (FOI), mit allen Mitteln vorantreiben.

Zu jedem der Muslim-Tempel gehört eine FOI-Abteilung, die direkt dem Hauptquartier in Chicago unterstellt ist. Die sorgfältig ausgewählte Elitetruppe, von »Kapitänen« und »Leutnants« geführt, kommt einmal in der Woche zu militärischem Training zusammen, wobei besonderer Wert auf Judo, Scharfschießen, Gebrauch von Dolchen und Totschlägern gelegt wird.

»Die ganze FOI«, warnt der Neger-Intellektuelle Lincoln, »arbeitet streng geheim. Sie ist eine reine Kampftruppe - eine potentielle Waffe des schwarzen Mannes, bereit, im Falle einer Provokation den offenen Krieg gegen alle Weißen zu beginnen.«

An den »Früchten des Islam«, dem Kern der gesamten Muslim-Bewegung, und an ihrer militärischen Ausbildung und Zielsetzung dürften FBI und Kongreß denn auch eher Anstoß genommen haben als an den prahlerischen Reden Muhammads.

Prophezeite der Bote Allahs: »New York werden wir schon bald in der Hand haben. Und die Herrschaft der Weißen in den Vereinigten Staaten wird spätestens 1970 gestürzt sein.«

* Das »X« hinter dem Namen steht für »Exsklave«. Alle Muslims geben bei Eintritt in die Organisation ihren Sklavennamen« auf, denn »der Name ist nur ein Etikett, das der Weiße uns aufgeklebt hat; ein Chinese kann nicht 'Whitfield', ein Schwarzer nicht 'Jones' heißen« (Malcolm-X alias Little).

* C. Eric Lincoln: »The Black Muslims in America«; Verlag Beacon Press, Boston, 1961; 276 Seiten; 4,95 Dollar.

Muslim-Chef Muhammad

Schwarzer unterm Bett

Betende Muslim-Frauen: Weißer Mann im Schwein

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