Zur Ausgabe
Artikel 18 / 153
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

JUSTIZ Weitere Ermittlungen gegen NS-Täter

aus DER SPIEGEL 44/2000

Nordrhein-Westfalens Justiz ist weiterhin überzeugt davon, dass der NS-Verbrecher und frühere SS-Hauptsturmführer Alois Brunner noch lebt. In Deutschland ermitteln die Staatsanwaltschaften in Köln und Frankfurt, in Paris soll ihm in Abwesenheit der Prozess gemacht werden. Dem 88-jährigen gebürtigen Österreicher, einst engster Mitarbeiter des 1962 hingerichteten Adolf Eichmann, wird die Deportation und Ermordung von mindestens 128 500 Juden aus ganz Europa während des Zweiten Weltkriegs zur Last gelegt. Brunner hatte Mitte der fünfziger Jahre unter Falschnamen ("Dr. Georg Fischer") in der syrischen Hauptstadt Damaskus Unterschlupf gefunden - was die Regierung bis heute leugnet. Im Sommer dieses Jahres meldete Deutschlands Botschafter Gunter Mulack aus Damaskus dem Auswärtigen Amt ("betr.: Verbleib des NS-Täters Alois Brunner, neue Erkenntnisse"), nach den Schilderungen eines französischen Journalisten sei Brunner bereits 1996 »mit erheblichen Nierenproblemen und einer Herzinsuffizienz« ins Krankenhaus eingeliefert worden und dort gestorben. »In einem anonymen Grab« sei er beigesetzt worden. Die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt dennoch weiter, eine 1996 ausgesetzte Belohnung in Höhe von 500 000 Mark bleibt bestehen. Die von der Botschaft »mitgeteilte Annahme«, Brunner sei tot, habe, so das NRW-Justizministerium, »nicht hinreichend sicher belegt« werden können.

Zur Ausgabe
Artikel 18 / 153
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.