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Weiteres Schicksal unbekannt

Was aus den 1945 in Osteuropa führenden Politikern wurde *
aus DER SPIEGEL 39/1984

Ungarn

Matyas Rakosi, 1945-1956 KP-Generalsekretär in Budapest, 1945-1952 Vizepremier, 1952-1953 Ministerpräsident, 1956 abgesetzt und in die UdSSR emigriert, wo er im späteren Sacharow-Verbannungsort Gorki lebte. 1962 Parteiausschluß, am 5. 2. 1971 mit 78 in der Sowjet-Union gestorben und in Ungarn beigesetzt. Wegen dauernder Grabschändungen wurde der Grabstein entfernt, die Urne an einen unbekannten Ort verbracht.

Imre Nagy, 1944-1945 Landwirtschaftsminister, 1945-1946 Innenminister Ungarns. 1947 Parlamentspräsident, 1949 Ausschluß aus dem Politbüro und Professor an der Budapester Universität. 1952-1953 Vizepremier, 1953-1955 Ministerpräsident. 1955 Parteiausschluß, 1956 Wiederaufnahme in die KP. 27. 10. 1956 Ministerpräsident während des Volksaufstandes, erklärte die Neutralität Ungarns. 4. 11. 1956 Flucht in die jugoslawische Botschaft in Budapest. 23. 11. 1956 an die Russen ausgeliefert und nach Rumänien gebracht. 1958 in Budapest zum Tod verurteilt, am 15. 6. 1958 im Alter von 62 Jahren gehenkt.

Ferenc Nagy, Kleinlandwirte-Führer. 1945 Parlamentspräsident, 19461947 Ministerpräsident der Volksrepublik Ungarn, im Mai 1947 während eines Besuches in der Schweiz gestürzt, emigrierte nach den USA, wo er als Farmer in Virginia am 12. 6. 1979 mit 75 starb.

Laszlo Rajk, 1946-1948 Innenminister Ungarns, 1948-1949 Außenminister. Im Mai 1949 als »Titoist« verhaftet, im September verurteilt, am 15. 10. 1949 im Alter von 40 Jahren gehenkt. 1956 rehabilitiert.

Nikolaus Horthy von Nagybanya, Konteradmiral, Reichsverweser von Ungarn 1920 bis 1944. Dann von Hitler in Bayern in »Ehrenhaft« genommen. Nach Zeugenaussage im Nürnberger Kriegsverbrecherprozeß von den Amerikanern freigelassen. Starb am 9. 2. 1957 im Alter von 88 Jahren in Estoril, Portugal.

Bulgarien

Georgi Dimitroff, Generalsekretär der Komintern in Moskau von 19351943, 1945 Generalsekretär der bulgarischen KP, 1946 Ministerpräsident Bulgariens, 1948 von Stalin wegen seiner Pläne einer Balkan-Föderation mit Jugoslawien gerügt, 1949 mit 67 in einem Sanatorium bei Moskau gestorben.

Anton Jugoff, 1944 Innenminister in Sofia, verantwortlich für Massenprozesse und über 2000 Hinrichtungen, 1947 Vizepremier, 1950 Ausschluß aus dem Politbüro und zum Industrieminister degradiert, 1951 Wiederaufnahme, 1954 Erster Vizepremier, 1956-1962 Ministerpräsident, dann Verlust aller Ämter; weiteres Schicksal unbekannt.

Simeon II. von Sachsen-Coburg-Gotha, 1943 bis 1946 minderjähriger Zar von Bulgarien, vertreten durch einen Regentschaftsrat, 1946 ins Exil geschickt, lebt als 47jähriger Geschäftsmann in Madrid.

Polen

Wladyslaw Gomulka, 1943 bis 1948 Generalsekretär der KP, 1945-1948 Minister für die Westgebiete und Vizepremier, 1949 Parteiausschluß, 1951 ohne Verfahren eingesperrt. 1956-1970 wieder Generalsekretär der KP, durch eine Revolte der Danziger Hafenarbeiter gestürzt, am 1. 9. 1982 im Alter von 77 Jahren in Warschau gestorben.

Stanislaw Mikolajczyk, geboren in Gelsenkirchen, 1943 Ministerpräsident der polnischen Exilregierung in London, 1945-1947 Vizepremier der Volksrepublik Polen, dann geflüchtet. Starb mit 66 am 13. 12. 1966 in Washington.

Rumänien

Gheorghe Gheorghiu-Dej, 1945 Generalsekretär der KP, 1944-1948 verschiedene Ministerämter, 19481952 Erster Vizepremier, 1952-1955 Ministerpräsident, 1961 Staatschef. Am 19. 3. 1965 als 63jähriger im Amt gestorben.

Ana Pauker, 1945-1952 Mitglied des Politbüros und Sekretärin des Zentralkomitees der KP, 1947-1952 Außenministerin, 1952 Parteiausschluß, Hausarrest und Verbannung in die Provinz. Später als Übersetzerin tätig. Am 26. 6. 1960 mit 62 in Bukarest gestorben.

Petru Groza, Parteichef der Pflüglerfront, 1945-1952 Ministerpräsident, dann Staatsoberhaupt der Volksrepublik Rumänien. Starb am 7. 1. 1958 mit 73 in Bukarest.

Michael I. von Hohenzollern-Sigmaringen, 1927-1930 (als Kind) und 1940-1947 König von Rumänien. 1947 abgesetzt, lebt als 62jähriger Geschäftsmann bei Genf.

Tschechoslowakei

Klement Gottwald, ab 1929 Chef der KPC, 1945-1946 Vizepremier, 1946-1948 Ministerpräsident, ab 1948 Staatschef der CSR. Erkältete sich bei der Beisetzung Stalins am 9. 3. 1953 in Moskau und starb 56jährig, am 14. 3. 1953 in Prag.

Rudolf Slansky, 1945-1951 Generalsekretär der KPC, 1951 Vizepremier, verhaftet, als »Titoist« verurteilt und am 3. 12. 1952 als 51jähriger in Prag gehenkt. 1956 posthum rehabilitiert.

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