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Briefe

Weltfremde Herzchen
aus DER SPIEGEL 17/1976

Weltfremde Herzchen

(Nr. 15/1978, Gesellschaft: Alice Schwarzer befragt Simone de Beauvoir über die Situation der Frau)

De Beauvoir: »Das ewig Weibliche ist eine Lüge, denn die Natur spielt bei der Entwicklung des Menschen eine geringe Rolle, wir sind soziale Wesen.«

Vielleicht haben sich die sozialen Wesen de Beauvoir und Schwarzer auch schon mal mit »Dysmenorrhoe« (schmerzhafte Menstruation) herumgeplagt?! Oder haben soziale Wesen keine Gebärmutter?

Berlin BEA MARIE SOMMERFELD

eine ewig weibliche

Es ist die Frau, die seit Urzeiten die Ehe will: »Mit Güte lockt fast überall die Frau ihr Schweinchen in den Stall« (Wilhelm Busch).

Wuppertal OTTO SCHULTEN

Die Frauenemanzipation muß sich möglicherweise vor der aggressiven Besessenheit von Alice Schwarzer und Simone de Beauvoir mehr hüten als vor den übelsten männlichen Chauvinisten!

Hamburg ANGELIKA BARDELEBEN

Ihre de Beauvoir ist mir schon ein recht weltfremdes Herzchen: »Und dann die Art, Konkurrenten zu zermalmen -- im allgemeinen machen Frauen das nicht.« Im Beruf vielleicht nicht, weil er ihnen nämlich wurscht ist; aber wenn's um den Mann geht und um eine eventuelle Rivalin -- da wird jede zweite zur gemeingefährlichen Furie!

Wien DR. WOLFGANG KUDRNOFSKY

Die Frauen, die geprügelt und sogar totgeprügelt werden, sind wohl sehr in der Minderheit. Auf jeden Fall soll man sich um sie kümmern. Das ist das einzig Positive, was die sterile Simone aussagt. Ansonsten Bla-bla.

Paris CHRISTA STEFFEN

promovierte Intellektuelle, Mutter

Muß eine junge Frau (wie ich) ein schlechtes Gewissen haben, wenn es ihr realisierbar erscheint, eine Familie zu gründen? Nur im Bestehen im Wagnis »Zusammenleben« (Ehe, Familie) kann sich eine erfolgreiche Emanzipation beider Geschlechter zeigen.

Göttingen UTE MADECKE

Studentin

Einerseits »der kleine Unterschied« und seine traurigen Folgen, andererseits die frisursträubende These von Madame de Beauvoir, daß Beglückung durch Sex mit Männern eine »schreckliche Falle« sei -- und die streitbare Alice widerspricht nicht! In Zukunft wird es noch schwerer sein, gegen das männliche Vorurteil von der Inkonsequenz der Frauen anzugehen.

Ratingen (Nrdrh.-Westf.) IRENE KOPPER

Zur Erhaltung der Erbmasse der Prototypen des »Ewig Unterleiblichen« sollten sich die Ovarienbanken rechtzeitig um das Konservieren der Schwarzer-Eierstöcke und etwaiger Reste der Beauvoir-Eierstöcke bemühen. Es wäre schade, wenn diese für die Experimente der Nachzucht in der »Schönen neuen Welt« verlorengingen.

Hanau (Hessen) DR. MED. LYDIA RUNKEL

Endlich einmal zeigt uns Frau Schwarzer, wie groß der kleine Unterschied ist. (Betrachten Sie einmal das von Ihnen veröffentlichte Photo.)

Ludwigshafen (Rhld.-Pf.) HERBERT OTTO

Die in Ehrfurcht vor Simone de Beauvoir vergehende Alice Schwarzer, die an einem Wahn leidet, nicht so sein zu wollen wie andere Frauen, tut mir aufrichtig leid. Es würde ihnen guttun, sich einmal mit Männern zu unterhalten und nicht nur ihr Hausgemachtes zu präsentieren.

Bremerhaven AXEL GRÖHL

Schwule Frauen können normal sein, aber wenn sie daraus eine politische Strategie entwickeln, sind sie mit Sicherheit pervers.

Frankfurt SUSANNE MENGEI.

Gott sei Dank gibt es noch Frauen, die ein gutes Verhältnis zu ihrem Partner haben und auch Kinder wollen. Ich kann jeden verstehen, der vor diesen frustrierten, militanten Weibern die Flucht ergreift.

Wuppertal MARGRET SCHLÖRSCHEIDT

Esther Vilar hat, in ihrem Protestschreiben an die Uno gegen das Internationale Jahr der Frau, mit wenigen Worten mehr über die Misere der Männer ausgesagt als alle, diese Pißnelken mit ihrem saublöden Geschwafel zusammen.

Regensburg PIERRE PIEPER

Zum Teufel mit Alice Schwarzer und Simone de Beauvoir: man reiche mir Esther Vilar!

München KONRAD STRAUSS

Liebe Simone, liebe Alice, solange Frauen sich für das »weißeste Weiß« ihres Lebens verantwortlich fühlen sollen, so lange wabert das Bewußtsein von der Emanzipation des Menschen weiterhin durch den Untergrund einiger beweglicher »grauer Zellen«.

Konstanz KARIN RESCHKE

Simone de Beauvoir zeigt durch ihre Ratschläge von »Eheverweigerung und bedingungsloser Kinderlosigkeit« keinerlei Lösungsmöglichkeiten auf. Sie macht ihr Leben, das sie sich selbst so erwählt hat (welch ein Glück, daß sie zu den Privilegierten gehört), zu einer Allgemeinverbindlichkeit. Aber auch wir wollen uns entscheiden können zwischen Berufstätigkeit im oder außer Haus, zwischen Mutterschaft oder Kinderlosigkeit. Nach Simones Rezepten gehandelt, braucht sich die zukünftige Generation über Emanzipation der Frauen den Kopf nicht mehr zu zerbrechen. Ich wünschte, nicht nur eine Beauvoir kann ihre spezielle Lebensart und -weise wählen, sondern leder Mensch: Frauen ebenso wie Männer, Männer ebenso wie Frauen.

Hannover SILVIA FEIGE

Auch Genossen sind Paschas? Wie kann Simone de Beauvoir das behaupten? Gab es nicht August Bebel und gibt es nicht sein Buch »Die Frau und der Sozialismus«? oder -- wo bleibt Clara Zetkin? Es gibt mir nun doch zu denken, warum die Feministinnen das männliche Geschlecht, inklusiv die Linke über einen Kamm scheren. Wohin soll dieser »Feministen-Chauvinismus«

* Clara Zetkin (1857 bis 1933) gründete 1891 die Frauenzeitschrift »Die Gleichheit«. Mitglied der KPD und letzte Alterspräsidentin des Reichstages der Weimarer Republik. -- August Bebel (1840 bis 1913). SPD-Vorsitzender, schrieb 1579 »Die Frau und der Sozialismus«. Bis zu seinem Tod bereits fünfzig Auflagen.

noch führen? Sehen sie nicht oder wollen sie nicht Sehen, daß es Männer gibt, die ohne die obligatorischen »Klassenkampfetüden« ihre Männerrolle kritisch reflektieren? Die zunächst einmal ihr eigenes Rollenverhalten in Frage stellen. um sensibel zu werden für das andere Geschlecht? Stehen sich wirklich Männer und Frauen weltweit als feindliche Klassen gegenüber? Hat der Mensch die Biologie beschämt?

Göttingen HANS-JOACHIM PÖSCHEL

Die ritualisierten Verhaltensweisen der Alice Schwarzer, deren reale Charakterstruktur konträr zur Gruppe der Feministinnen steht, trotz gegenteiliger Beteuerung, durfte nur die falsche Dämmerung der Freiheit ihrer Zeitgenossen heraufbeschwören.

Dortmund VERENA KRENZER

Initiativgruppe Westfalendamm

Arme, einsame Feministinnen!

Bensberg (Nrdrh.-Westf.) THEA VAN GRIES

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