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Weniger Morde - weniger Augen

aus DER SPIEGEL 36/1977

Hornhaut-Transplantationen waren bislang in Amerika kein Problem, weil es kaum Versorgungsengpässe gab. Jetzt fürchtet die größte Augen-Bank der Welt, die Medical Eye Bank of Maryland in Baltimore, in Lieferschwierigkeiten zu geraten. Vor allem Patienten in Übersee oder in entfernt liegenden Bundesstaaten müßten unter Umständen bereits jetzt zwei Jahre auf ein Transplantat warten. Der delikate Hintergrund, den selbst Institutsdirektor Frederick Griffith »kaum dezent« auszudrücken vermochte: In Baltimore ging die Gewaltkriminalität zurück. 1972 fielen noch 330 Menschen einem Mord zum Opfer; im vergangenen Jahr waren es nur mehr 200. Da nach amerikanischer Praxis alle Personen als Organspender in Frage kommen, die in gerichtsmedizinischen Instituten zur Autopsie eingeliefert werden, verknappte sich damit automatisch auch der Vorrat an Augen-Transplantaten. Jetzt muß die Cornea-Bank in verstärktem Maße hei den Hinterbliebenen verstorbener Krankenhauspatienten um Hornhaut-Spenden werben.

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