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Briefe

WER IST WER?
aus DER SPIEGEL 23/1968

WER IST WER?

(Nr. 2168, Peter Brügge über Jerusalem-Feiern)

Darf ich Sie auf einen Irrtum in dem übrigens ausgezeichneten -- Bericht von Peter Brügge über den ersten Jahrestag der Wiedervereinigung in Jerusalem aufmerksam machen? Es stimmt nicht: »daß 1929 alle dort (in Hebron) ansässigen Juden von den Arabern massakriert worden sind«. Der damalige Vorsitzende der zionistischen Palästina-Exekutive, Oberstleutnant (später Brigade-General) F. H. Kisch vermerkt in seinen Tagebüchern, die Zahl der jüdischen Opfer des durch Falschmeldungen über angebliche jüdische Ausschreitungen gegen Araber in Jerusalem ausgelösten Pogroms in Hebron habe 68 betragen, wozu noch 42 Verletzte, meist Frauen, Kinder und Greise kamen. Dagegen betont Kisch, daß etwa 300 Hebroner Juden von ihren mohammedanischen Nachbarn gerettet wurden, oft unter Lebensgefahr. Der Bauernführer Musa H'deb wurde kurz danach wegen seiner Hilfe für bedrohte Juden ermordet (Kisch, Palestine Diary, London 1938). Ich habe öfters von aus Hebron stammenden Juden ergreifende Darstellungen über ihre damalige Rettung durch arabische Nachbarn gehört, und nach der Eroberung der Stadt vor einem Jahr besuchten diese Altbürger der Patriarchenstadt ihre Heimat, und es kam zu rührenden Wiesersehensszenen. Bei meinen häufigen Fahrten nach Hebron während des verflossenen Jahres hatte ich nicht das Gefühl, in einer »haßumdüsterten« Stadt zu weilen, sondern fand gastfreundliche Aufnahme bei Leuten aller Kreise, die immer wieder das gemeinsame Abrahamserbe der Söhne Isaaks und Ismaels betonten und ihre Anerkennung für das von Rachegefühlen und Eroberer-Überheblichkeit durchweg freie Verhalten der Besatzungsmacht Ausdruck gaben. Tatsächlich hat es hier weniger Reibungen und Zwischenfälle als in anderen Orten Cisjordaniens gegeben.

Jerusalem GAVRIEL STERN

Das Volk Israel hat das vollste Recht, sich seiner momentanen Rettung durch die Selbstverteidigung zu freuen. In solch einer Lage diese Freudenkundgebung als »Euphorie« zu bezeichnen, ist ein recht häßlich Ding. Weiter lesen wir, der Staatschef saß da feierlich wie in einer Synagoge. In einer deutschen Zeitung so etwas zu lesen, ist außerordentlich zynisch. Ein Recht auf Jerusalem haben zwei Völker. die Bewohner dieser Stadt: die Mehrheit der Juden und die Minderheit der palästinischen Araber. Jordanien hat Ost-Jerusalem 1948 erobert, das war eine aggressive Aktion Jordaniens Hauptstadt ist Amman. Ihr Aufsatz im SPIEGEL »Euphorie vor Husseins Ferienhaus« ist nicht bloß ungerecht und unrichtig, sondern erinnert auch sehr an böse Dinge der Vergangenheit. In Alt-Jerusalem wurden jordanische Dokumente beschlagnahmt, die den Vorsatz erkennen ließen, im Falle der Eroberung jüdischer Städte durch die jordanische Armee die Zivilbevölkerung zu vernichten. Ein Verwandter des König Hussein sagte ja voriges Jahr zu einem Journalisten: »Wir haben die Deutschen immer sehr geachtet, besonders recht hatte der Hitler.« Nun, wer ist wer?

Wie eine Farce wirkte die letzte Konferenz der Menschenrechte. Delegierte wie Saudi-Arabien (Sklavenhandel bis zum heutigen Tag), Sudan (Ermordung tausender »andersgläubiger« Einwohner> und zu guter Letzt der Delegierte des faschistischen Spaniens nahmen sich das Recht, Israel anzugreifen.

Mir dünkt, die Welt geht wieder einer Krise entgegen. Die internationale Moral zwischen den Völkern ist sehr gesunken, und wir müssen dazuschauen, daß unser Volk wie das letzte Mal nicht zum Hauptopfer wird.

Evron JANEVITZ RUTH

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