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Rußland Werben um die Präsidententochter

aus DER SPIEGEL 48/1996

Im Gebiet Tula, 200 Kilometer südlich von Moskau, bahnt sich ein Tauziehen zwischen Kreml-Führung und Jelzin-Opponenten an. Für Nachwahlen zur Staatsduma, dem russischen Unterhaus, wurde als erster Kandidat ein frühe- rer Präsidenten-Intimus registriert: Ex-Chefleibwächter Alexander Korschakow, den Boris Jelzin in Ungnaden entlassen hatte. Dem Wahlvolk empfohlen hatte ihn der bisherige Wahlkreisvertreter und populäre Gegenspieler des kranken Staatschefs, Alexander Lebed. Der General a. D. begann in der Provinz seine militärische Karriere als Fallschirm-jäger, nun liebäugelt er dort mit dem Gouverneursposten. Das Moskauer Establishment aber, in jüngsten Regionalwahlen wenig erfolgreich, will sich den Stimmbezirk von Tula - eines Rüstungszentrums - sichern. Als Retterin in der Not naht Jelzins Lieblingstochter Tatjana Djatschenko, 37, die sich als Wahlkampfmanagerin ihres Vaters profiliert und an Lebeds wie Korschakows Entmachtung mitgewirkt hatte. Sie sei fähig, »Präsident, Regierung und Wirtschaft« für die notleidende Region zu interessieren, wirbt eine Initiativgruppe, »die Mehrheit der Bevölkerung« stehe hinter ihr.

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