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Briefe

WERKSTATTHALTER
aus DER SPIEGEL 2/1961

WERKSTATTHALTER

Ihre Titelstory über Borgward war zweifellos amüsant zu lesen, aber weder fair noch zutreffend. Von einem Mann, der ein Industriekapital von einigen hundert Millionen repräsentiert, der der Arbeitgeber von zwanzigtausend Menschen ist, der als profilierter Konstrukteur die technische Entwicklung häufiger als einmal fruchtbar beeinflußt hat - von solch einem Mann nicht viel mehr übrigzulassen als einen »autokratischen Bastler«, grenzt doch etwas an terrible simplification. Bevor man einen Menschen karikiert, muß man ihn beurteilen. Sie hingegen gehen den umgekehrten Weg: Sie karikieren erst und bewerten dann die Karikatur.

Heidelberg-Schlierbach HEINZ THOMASS

Das geht zu weit, meine Herren! Dieser SPIEGEL verzerrt doch gar zu sehr!

Hamburg ERICH SCHILLING

Sie geben Carl Borgward den Ratschlag, zugkräftige Modelle weiterzuentwickeln und eine starke Marktposition zu erringen, anstatt nach Anfangserfolgen die Gedanken schon wieder auf neue Autoschöpfungen zu richten. Dieser Vorschlag ist richtig und zu begrüßen. Aber seit wann ist der SPIEGEL dieser Meinung? Gerade diese Politik wird vom Volkswagenwerk seit Jahren konsequent und erfolgreich betrieben, und gerade wegen dieser Politik haben Sie das Volkswagenwerk immer wieder angegriffen. Hoffentlich werden Sie beim nächsten Bericht über das Volkswagenwerk nicht wieder rückfällig.

Hamburg KARL, DZIOMBA

Nachdem das Volkswagenwerk seinen Marktanteil 1960 erheblich erweitern konnte und als einzige Fabrik steigende Exportzahlen in die USA aufzuweisen hat, dürfte wohl feststehen, daß Sie mit Ihren Prognosen im Anfang des Jahres völlig Schiffbruch erlitten haben.

Man wundert sich, daß Sie jetzt wieder den Mut haben, Autoproduzenten beraten zu wollen. Auch Herr Dr. Borgward wird es vielleicht anders, sicher aber besser machen, als Sie empfehlen.

Wiesbaden KURT PEITZ

Die SPIEGEL-Redakteure wußten sicherlich um die laufenden Bemühungen Borgwards wegen der Gründung einer AG unter Anlehnung an einen »Großen« der Autoindustrie. Obwohl Sie nun selbst zu diesem allerletzten Ausweg dringend raten, servieren Sie den Interessenten im ungeeignetsten Zeitpunkt einen eklatanten, unfairen persönlichen und wirtschaftlichen Rufmord ...

Bremen MARTIN GIRSCHNER

... fehlen bei der Typen-Übersicht noch die Wagen, die die Bundeswehr von Borgward fährt. Schließlich haben sich Borgward-Fahrzeuge bei der Bundeswehr besser bewährt als der sogenannte »Nato-Ford«.

Oberlahnstein GEORG GRUNDMANN

Vielen Dank für die Bemerkung: Er nennt seine Fabrik genau wie Ferdinand Porsche »Werkstatt«. Wo blieben wir Individualisten, wenn es nur noch 08/15-Autos geben wurde? Auswandern nach England?

Klidorf (Holstein) DETLEF AHRENS

Die Isabella hält seit 1954 unverändert im wesentlichen die gleiche äußere Form, die nach den glaubwürdigen Meinungen unserer Ehefrauen noch immer »bildschön« ist. In den gleichen sechs Jahren haben zum Beispiel Opel, Ford und Mercedes die Form ihrer Standardmodelle öfter gewechselt, nicht immer zum Vorteil des Selbstbewußtseins der jeweiligen Eigentümer, denen man das Alter ihres Wagens schon nach einem halben Jahr angesehen hat. Im übrigen freue ich mich, vom SPIEGEL bestätigt zu finden, daß Borgward die letzte »mittelständisch geführte Kfz-Fabrik Deutschlands« ist, weswegen Herr Erhard den Jubilar unter Denkmalschutz stellen sollte. Er scheint einer der letzten deutschen Kfz-Hersteller zu sein, die nicht unter ausländischem Kapitaleinfluß stehen. Nichts gegen Erfahrungsaustausch - aber Kapitalquellen sollte es in der bundesdeutschen Finanzwirtschaft doch ausreichend geben, damit auch der Ertrag im Lande bleibt.

Wien HANS PETER DALHEIMER

Können Sie mir eine deutsche Autofirma, außer VW und BMW, nennen, die so konstant die Form wahrte?

Oerlinghausen (Lippe) CLAUS HÖLSCHER.

Es wäre traurig, wenn der Name Borgward aus dem Reigen der Automobilfabriken verschwinden würde, denn nicht jeder möchte in dergleichen »Haut« herumfahren wie die Mehrzahl.

Hohenacker (Württ.) KLAUS THOMSEN

Schreiben Sie doch lieber über Pommerenke und Frenzel. Dieses Milieu paßt besser zu Ihnen.

Schwäbisch Gmünd H. GEBAUER

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