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West-östliche Alpträume

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aus DER SPIEGEL 39/1984

Die Nato ist dem Warschauer Pakt auf keinem Gebiet so unterlegen, wie Analysen aus Bonn und Washington behaupten. Zu diesem Ergebnis kommt Andreas von Bülow, von 1976 bis 1980 Parlamentarischer Staatssekretär auf der Hardthöhe. Er hat in einem vorwiegend auf US-Quellen gestützten Kräftevergleich ("Alpträume West gegen Alpträume Ost") unter anderem Waffenqualität sowie Aufgaben und Motivation der Soldaten untersucht. Mit der Panzerüberlegenheit des Ostens (60 000 gegen 17 000 auf Nato-Seite) ist es danach nicht gar so weit her: 40 000 Ost-Panzer seien veraltet, würden ausgeschlachtet oder nur noch zur Ausbildung verwendet. Der Nahost-Krieg habe zudem gezeigt, daß moderne Typen wie der T 72 westlichem Gerät unterlegen seien. Ähnlich bei den Flugzeugen: Die Israelis haben 1982, mit ihren amerikanischen F-15- und F-16-Jets, 120 sowjetische Mig-21 abgeschossen - ohne einen einzigen eigenen Verlust. Und die Marine des Warschauer Pakts sei, so Bülows Analyse, nur bedingt

einsatzbereit. Viele Schiffe der Roten Flotte lägen meist zu Reparatur und Versorgung in ihren Stützpunkten, nur zehn bis 15 Prozent seien im Einsatz. Die US Navy habe dagegen stets die Hälfte ihrer Schiffe auf See. Bülows Fazit: »Die Sowjet-Union ist stark, aber sie ist weder konventionell noch atomar so stark, daß sie aus militärischen Aktionen Gewinn ziehen könnte.«

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