KARTELLRECHT Wettbewerb in Gefahr
Die geplante Übernahme des Pharmakonzerns Boehringer Mannheim durch den Schweizer Chemiemulti Hoffmann-La Roche droht zu scheitern. In einem internen Zwischenbericht formulieren Prüfer der europäischen Kartellbehörde in Brüssel schwere Bedenken gegen den Elf-Milliarden-Dollar-Deal, den die Besitzerfamilie Engelhorn über eine Firmenholding auf den Bermudas abgewickelt hatte, um den deutschen Fiskus zu umgehen. Nun stellen die Brüsseler die geplante Transaktion in Frage, weil sie »unvereinbar« mit den Regeln des gemeinsamen Marktes sei. Der neue Superkonzern würde vor allem im Bereich Labordiagnostik und Analysegeräte eine »dominante Position« in vielen EU-Staaten erreichen. Dadurch würde ein »wirksamer Wettbewerb wesentlich behindert«. Ende Mai hatte Hoffmann-La Roche (Konzerngewinn 1996: 3,9 Milliarden Schweizer Franken) den geplanten Kauf des Pharma- und Diagnostikgeräteherstellers Boehringer Mannheim (Gewinn 1996: 327 Millionen Mark) publik gemacht. Sollte Brüssel der Übernahme doch noch zustimmen, wäre der Basler Konzern mit einem Schlag der weltweit größte Diagnostikgeräteanbieter.