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Briefe

WIE AUF DER TENNE
aus DER SPIEGEL 31/1970

WIE AUF DER TENNE

(Nr. 27/1970, Recht -- Uneheliche Kinder)

Nach dem Grundgesetz ist der Makel von den Unehelichen genommen. Anders denkt darüber die katholische Kirche, die die eheliche Geburt als Voraussetzung für den Priesterberuf ansieht. Dies ist in den kanonischen Vorschriften ausdrücklich festgelegt.

Berlin KARL MORITZ

Welche Hypokrisie unter unseren Gesetzesmachern, die sich in der Dekade von Pille, Kolle und Promiskuität ums Erbrecht der »unehelichen Kinder« sorgen, als ob das Kollesieren sich noch immer auf der Bauerntenne der Jahrhundertwende ereignete! Haben unsere Gesetzesmacher einmal recherchiert, wie viele kesse Wunder-Fräuleins uns die Emanzipation beschert haben, die auch im Bett auf »win« pokern? Was ist mit dem armen Teufel, der von einem süßen Luder mit einer absichtsvollen Schwangerschaft reingelegt wird, um einen Eheschluß zu ergattern oder seine Scheidung zu erpressen? Wann endlich wird was für den Mann erfunden, damit er genießen kann, ohne in der Ungewißheit zu bleiben, ob der Genuß heutzutage gar mehr als 30 000 Alimente-Mark kostet? In den skandinavischen Ländern wenigstens haben die Familienrechtler erkannt, daß die Pille in jeder Damenhandtasche zwar begrüßenswert ist, aber auch absolut neue juristische Probleme geschaffen hat. Wenn schon »planned parenthood«, dann auch »planned responsability.

Rom PAUL KRAATZ

Es gehört schon ein gerüttelt Maß an Weltfremdheit und charakterlicher Verklemmtheit

Duisburg HANS PFLUG

Das Gesetz über das Recht der unehelichen Kinder und Mütter hat eine große Lücke. Ich denke, auch das Bordellkind und die Dirne haben dasselbe Recht und dieselbe Menschenwürde. Die Dirne hat auch ein Recht auf ein Kind.

Calgary (Kanada) M. VOITTENOORFP

In erster Linie wird der anständige Vater eines unehelichen Kindes durch die neue Gesetzgebung betroffen, der nach bestem Wissen und Gewissen für sein leibliches Kind sorgt; der Schlawiner hingegen hat es gut: Für ihn tritt dann der Staat, besser gesagt: der dumme Steuerzahler ein. Sögel (Nrdrh.-Westf.)

ALBERT OCHMANN

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