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WIE DER FUCHS DAS EISEN MIED

aus DER SPIEGEL 43/1964

Zur Jagdschein-Affäre des CSU-Vorsitzenden Franz-Josef Strauß schrieb die in München erscheinende Jagdzeitschrift »Der Deutsche Jager":

Unserer bescheidenen Meinung nach hatte der frischgebakkene Jungjäger Franz-Josef Strauß keinen guten Tag, als er gelegentlich eines Interviews seine Qualifikation zum Waidmann mit dem Hinweis zu beweisen suchte, daß er mit sieben Kugeln sechs Stück Wild mit Blattschuß erlegt habe, und noch hinzufügte, schon als Soldat sei er ein guter Schütze gewesen.

Daß ein Jäger schießen und auch treffen können muß, gehört gewiß auch dazu. Aber sollte wirklich in jener umstrittenen Prüfung in Niedersachsen von nichts anderem die Rede gewesen sein, so daß der Präsident des LJV Niedersachsen recht hatte, wenn er meinte, dort habe man vermutlich nur Bumbum gemacht, und Herr Strauß den irrigen Eindruck gewinnen konnte, es käme beim Jäger nur aufs Schießen an?

Da wäre es dann wohl doch besser gewesen, er hätte sich der für seinen Wohnsitz allein zuständigen Prüfungskommission für Oberbayern gestellt, wo man ihm zweifellos in echt bayrischem Verantwortungsbewußtsein auch noch in anderen Fächern auf den Zahn gefühlt und spätestens hier zu erkennen gegeben hätte, worauf es in der Gegenwart in unserer westdeutschen Situation für den Jäger tatsächlich ankommt und womit man als Jungjäger heutzutage zumindest nicht auch noch prahlen sollte, nämlich mit einem immerhin ungewöhnlich hohen Abschuß in kürzester Frist und in einer Jahreszeit, wo es sich eigentlich nur um Rehböcke gehandelt haben kann.

Warum er das Naheliegende wie der Fuchs das Eisen mied, indem er im großen Bogen um München herumging und sich den sonst so gern verpönten »Preißen« anvertraute, bleibt sein Geheimnis; denn das Argument, in Oberbayern habe zu der Zeit, als ihn der Wunsch überkam, Jäger zu werden, gerade keine Prüfung stattgefunden, nimmt ihm wohl kein Eingeweihter ab. Jägerprüfungen finden in Oberbayern alljährlich statt. Sie ziehen sich von Mitte Januar bis Ende März hin, wohl Spielraum genug auch für einen Prominenten, sich entsprechend einzurichten und sich, wie es für jedermann vorgeschrieben ist, der Prüfung dort zu unterziehen, wo auch jeder andere in Oberbayern wohnhafte Staatsbürger sich zu diesem Zweck einzufinden hat ...

Wenn man im Zuge der ganzen, nicht nur für Herrn Strauß, sondern für jeden verantwortungsbewußten Staatsbürger recht unerfreulichen Jagdscheinaffäre hören muß - und zwar aus Straußens eigenem Munde! - daß auch noch andere Bundesminister den krummen Weg nach Niedersachsen fanden, obwohl sie dort in dieser Sache nichts zu suchen hatten, kann einem doch der peinliche Verdacht aufstoßen, diese Herren könnten glauben, Gesetze seien für das gemeine Volk, nicht aber unbedingt auch für Bundesminister gültig und bindend. Denn immerhin ist es ein Jagdgesetz, in dem es in § 30 Ziffer 1 unserer Meinung nach eindeutig heißt: »Die Bewerber (für die Jägerprüfung! Die Redaktion) haben sich bei der für ihren ständigen Wohnsitz zuständigen Kreisverwaltungsbehörde ... schriftlich anzumelden!«

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Kennt nur einen Anstand für Waidmannszwecke

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