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Briefe

Wie ein Ding behandelt
aus DER SPIEGEL 43/1997

Wie ein Ding behandelt

Nr. 41/1997, Ausstellungen: Plastifizierte Leichen - Lehrstücke oder Grusel-Schau?

Hagens will die »Verwandtschaft« der Toten zu den Lebenden unterstreichen, doch behandelt er die Leiche als ein Ding, ohne Anrecht auf Totenruhe und Würde. Keine Ehrfurcht vor dem Leichnam, der Besonderheit des Todes, keine Ehrfurcht vor dem Fötus, der Entstehung des Lebens.

STUTTGART AFRA BANACH

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Ein erfreulicher Bericht, der zu verstehen hilft, daß Menschen, wie alle Lebewesen, von höchster Schönheit, aber zugleich größter Zerbrechlichkeit sind. Die hervorragenden Werke von Hagens' zeigen den Zuschauern, daß ihr Körper ein wirkliches Wunder ist. Je näher Menschen dem Sterben und Tod in Form von Leichen, Präparaten und Sterbestationen treten dürfen, desto leichter fällt ihnen die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergänglichkeit.

KÖLN MARK BENECKE INSTITUT FÜR RECHTSMEDIZIN DER UNIVERSITÄT So sinnvoll diese Demonstrationen für Mediziner zweifellos sind, sollte man doch nicht den Ausbildungs- mit Unterhaltungswert verwechseln. Ob Laien vor einer zerschnittenen Leiche noch an »Pietät, Würde und Respekt« denken, halte ich für unwahrscheinlich. Die Absicht, sich mit Hut auf dem Kopf nach dem Tode zerschneiden zu lassen, zeigt, daß hier nur Leichenteile zur Selbstinszenierung benutzt werden.

AACHEN DR. O. BOEKELS

kleinau
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