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TV-SHOWS »Wie Entwicklungshilfe für Afrika«

»Der Restauranttester« Christian Rach, 51, über eigene Top-Quoten und nervige Kochkollegen
aus DER SPIEGEL 8/2009

SPIEGEL: Nie zuvor hatte Ihre RTL-Sendung so hohe Quoten. Die klassischen Kochshows müssen hingegen um Zuschauer kämpfen. Wie passt das zusammen?

Rach: Kochen gehört heute mehr zur Gesellschaft als je zuvor. Geschichten und Gesichter ändern sich, aber das Thema bleibt. Und Gesichter werden irgendwann langweilig. Bei unserer Sendung hat jeder das Gefühl, mitreden zu können. Ganz sicher ist »Der Restauranttester« aber auch eine endliche Geschichte. Hundertmal dreckige Abzugshauben mit dem Rach nebendran will niemand sehen.

SPIEGEL: Gibt es also zu viele Fernsehköche wie Mälzer, Lafer & Co.?

Rach: Die immer wiederkehrenden Kochsendungen haben sich selbst überlebt. Die Darbietung an sich muss sich ändern wie auch der Inhalt. Dann bleibt es spannend. Auch jeder Serienkommissar braucht irgendwann mal eine Ablösung.

SPIEGEL: Sie helfen meist irgendwelchen Imbissbesitzern, wieder auf die Beine zu kommen. Ist es nicht naiv zu glauben, dass der Erfolg dauerhaft ist?

Rach: Es ist wie Entwicklungshilfe für Afrika: Wir leisten Hilfe zur Selbsthilfe, und das geht nur dort, wo die Wirte das Konzept kapiert haben und es auch umsetzen wollen. Ich habe viel über Hartz IV gelernt: Wenn man in einer krassen finanziellen Klemme steckt, sieht man auch die Dreckecken in der Küche nicht mehr. Ich muss helfen, den Blick dafür bei den Wirten zu schärfen.

SPIEGEL: Gibt es Parallelen zwischen der Arbeit mit Kochtopf und Kamera?

Rach: Es genügt heute nicht mehr, nur ein gutes Stück Fleisch zu servieren. Die Gäste wollen Unterhaltung sehen auf dem Niveau des Showgeschäfts. Die Röcke der Kellnerinnen müssen nicht unbedingt kurz sein und die Blusen offen, aber die Gäste wollen wissen, ob der Chefkoch da ist. Im eigenen Laden kein Gesicht zu sein ist tödlich.

SPIEGEL: Ausgerechnet Ihr eigenes Restaurant »Tafelhaus« wurde von der Feinschmecker-Bibel »Gault Millau« zuletzt zurückgestuft. Nervt die Medienaufmerksamkeit?

Rach: Wenn ich im Fernsehen was kritisiere, rechne ich stündlich damit, dass die Boulevardpresse kommt und mich kritisiert. Das bringt denen Auflage, das ist okay. Es gibt aber sicher eine Schmerzgrenze.

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