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Hamburg »Wie Mehltau über der Partei«

aus DER SPIEGEL 8/1994

SPIEGEL: Herr van Hooven, Sie als ehemaliges Vorstandsmitglied der Deutschen Bank ziehen jetzt als Bewerber um eine Bundestagskandidatur durch Hamburgs CDU-Ortsverbände. Fühlen Sie sich als Rentner nicht ausgelastet?

van Hooven: Eigentlich hätte ich genug zu tun. Aber ich will meiner Partei helfen, aus dem Tief herauszukommen, das sich nicht zuletzt an den 25,1 Prozent ablesen läßt, mit denen sie bei der letzten Hamburg-Wahl gescheitert ist.

SPIEGEL: Dazu wollen Sie Ihren Parteifreund Jürgen Echternach aus dem Bundestag verdrängen - einen Mann, der die Hamburger CDU wie kein anderer seit Jahrzehnten in der Hand hält. Ein Königssturz mitten im Superwahljahr?

van Hooven: Echternach ist ja nie als König aufgetreten. Und den Parteivorsitz hat er schon wegen der Wahlschlappe im Juni 1991 aufgeben müssen. Aber er regiert die Partei weiterhin durch Kungelei und Absprachen in Hinterzimmern und hat auf diese Weise alle wichtigen Gremien mit eigenen Leuten besetzt. Dadurch ist der politische Dialog in diesem Landesverband völlig abgestorben.

SPIEGEL: Und nun wollen Sie als Parteireformer antreten?

van Hooven: Anders geht es offenbar nicht. Eine Partei, die 40 Jahre lang in der Opposition verharrt, ist zur Regeneration aus eigener Kraft kaum noch in der Lage. Wenn man lange genug nur parteiinterne Pöstchen vergibt, statt aktiv über Politik zu streiten, dann laufen einem die guten, engagierten Leute davon, und neue kommen nicht nach. Eine Erneuerung kann nur von jemandem ausgehen, der politisch und finanziell unabhängig genug ist, um diese Partei von Echternach zu befreien.

SPIEGEL: Ist Ihnen als ehemaligem Großbanker solche politische Kleinarbeit an der Basis nicht zu mühsam?

van Hooven: Es geht ja nicht nur um die CDU in dieser Stadt. Auf bundespolitischer Ebene findet Hamburg und der gesamte Norden Deutschlands kaum noch statt. Welche Einflüsse hat denn die Hansestadt auf die aus meiner Sicht positive Bilanz der Bundesregierung genommen?

SPIEGEL: Als Einzelkämpfer werden Sie in Ihrer verklüngelten Partei aber kaum mehr Demokratie durchsetzen können. Daran ist schon der Parteirebell Markus Wegner gescheitert.

van Hooven: Ich kann nur vorführen, wie es geht. Nach mir muß der Nachwuchs ran, vor allem aus der Jungen Union; Leute, die sich was trauen, die sagen, was falsch läuft, statt sich von Echternach und seinen Statthaltern einschüchtern zu lassen. Denen will ich, durch meine Beziehungen zur Wirtschaft, dann auch den Rücken freihalten. Die sollen ihre Karriere in den Betrieben beginnen, um anschließend Politik zu machen. Nur so bekommen wir Politiker, die für sich selbst sorgen können und dadurch unabhängig agieren.

SPIEGEL: Trotz Ihrer Prominenz zweifeln viele in der Hamburger CDU daran, daß Sie sich gegen den Partei-Paten Echternach durchsetzen werden. Wie sehen Sie Ihre Chancen?

van Hooven: Bei einer Probeabstimmung nach einer Rede in Echternachs Ortsverband in Altona habe ich 86 Stimmen bekommen, Echternach keine. Das ist nicht repräsentativ für die Partei, aber es zeigt mir, daß es mir schon durch meine Kandidatur gelingen kann, frischen Wind in die Partei zu bringen und Echternach als das bloßzustellen, was er ist: ein heimlicher Herrscher, dessen Aktionen sich wie Mehltau über die Partei legen. Wenn mir das gelingt, habe ich schon eine Menge für meine Partei erreicht. Y

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