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CDU Wie Vater

aus DER SPIEGEL 13/1966

Nordrhein-Westfalens Christdemokraten können auf Adenauer nicht verzichten. Die SPD im Nacken und um prominente Namen verlegen, machten sie Dr. Max Adenauer, 55, zum Kölner Spitzenkandidaten für die Landtagswahlen am 10. Juli dieses Jahres.

Sie taten es widerwillig und beileibe nicht aus Wohlwollen für den zweitältesten Altkanzlersohn. Denn wie so oft schon mit dem alten, so hat die rheinische CDU unterdessen auch mit dem jüngeren Adenauer ihren Ärger.

Noch immer nicht haben Kölns Christdemokraten vergessen, daß Max Adenauer im vorigen Jahr freiwillig auf die Wiederwahl zum Oberstadtdirektor der Domstadt und Karnevalsmetropole verzichtete und damit eine der letzten CDU -Bastionen in der Kölner Stadtverwaltung kampflos der SPD übergab.

Adenauer nahm den Abschied, weil die Kölner Sozialdemokraten bei den Kommunalwahlen im Herbst 1964 die absolute Mehrheit errungen hatten und der Verwaltungschef befürchtete, das neue Stadtparlament werde ihn »einmauern«. Auch die Zusage des SPD-Oberbürgermeisters Theo Burauen, der verdiente Oberstadtdirektor werde nach Ablauf seiner Amtszeit im Oktober 1965 für ein weiteres Jahrdutzend wiedergewählt werden, vermochte Max Adenauer nicht umzustimmen (SPIEGEL 43 und 47/1964). Nach Vater -Manier faßte er einen einsamen Entschluß, verzichtete, ohne seine Parteifreunde zu konsultieren, auf Wiederwahl und überließ es Sozialdemokraten, die CDU zu informieren.

Auch seine nächste Entscheidung traf der Abtrünnige fernab der heimischen Parteizentrale. In New York, wo er gerade als Ehrenmarschall der deutsch amerikanischen Steubenparade vorangeschritten war, erklärte er Journalisten: »Ich nehme an, daß ich in die Politik gehen werde.«

Schon zuvor hatten Freunde Max Adenauers vorgeschlagen, dem am Rhein populären Altkanzlersohn ein Kölner Mandat für die Bundestagswahl 1965 zu verschaffen. Aber die Partei-Oberen, noch immer verbittert sträubten sich: Allenfalls ein Wahlkreis am tiefen Niederrhein stünde zur Verfügung.

Adenauer lehnte dankend ab und zog sich erst einmal ins Privat- und Geschäftsleben zurück. Versehen mit seiner Oberstadtdirektors-Pension von monatlich 3000 Mark und einer steinernen Gartenbank - dem Abschiedsgeschenk des Stadtrats -, verließ er das Rathaus und trat bald darauf in den Vorstand der Rheinisch-Westfälischen Boden-Credit-Bank ein.

Den öffentlichen Angelegenheiten seiner Stadt ganz den Rücken zu kehren, brachte er gleichwohl nicht über sich. Er erwarb die Mitgliedschaft im Bürgerverein seines Wohnviertels Müngersdorf und ließ sich zum Vorsitzenden des Kölner Verkehrsvereins wählen.

Als dann aber zu Beginn dieses Jahres die Landtagswahl-Prognosen für die SPD immer günstiger und die Suche der NRW-CDU nach zugkräftigen Kandidaten immer hektischer wurden, schien es auch den Kritikern Adenauers nicht länger vertretbar, auf die wählerwirksame Figur aus dem Kanzler-Clan zu verzichten. Nun brauchte Max Adenauer keine Fürsprecher mehr: Kölns CDU-Honoratioren kamen von ganz allein und trugen dem Verkehrsvereinsvorsitzenden die Kandidatur an.

Zwar unkte der Kölner CDU-Fraktionssekretär Rudi Conin noch unmittelbar vor der Kandidaten-Wahl: »Es ist noch gar nicht so sicher, daß wir ihn wählen.« Dann aber erhielt der Pensionär doch die erforderliche Mehrheit.

Ob Max Adenauer am 10. Juli wirklich in die Politik kommt, ist indessen noch höchst ungewiß. Sein Kölner Wahlkreis I gilt als SPD-freundlich.

Kandidat Adenauer, Abschiedsgeschenk: SPD im Nacken

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