Zur Ausgabe
Artikel 48 / 104
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

SOMALIA Wiederkehr der Piraten

aus DER SPIEGEL 22/2007

Ein halbes Jahr nach der Entmachtung der Islamisten durch äthiopische Invasionstruppen boomt am Horn von Afrika die Piraterie. Acht Schiffe wurden 2007 in somalischen Gewässern angegriffen, zuletzt eines des Welternährungsprogramms. Weil sich immer mehr Eigner weigern, ihre Schiffe für die riskanten Fahrten nach Somalia zu verchartern, ist nun sogar die Versorgung mehrerer hunderttausend somalischer Flüchtlinge gefährdet. Die U. S. Navy forderte alle Handelsschiffe auf, sich mindestens 200 Seemeilen von der über 3000 Kilometer langen somalischen Küste entfernt zu halten; die Vereinten Nationen sprechen von einer »Piratenplage«, die die Versorgung der Flüchtlinge erschwere. Dabei ist Piraterie kein neues Phänomen am Horn von Afrika: Nach Auskunft des International Maritime Bureau in London gehören die somalischen Gewässer seit langem zu den gefährlichsten der Welt. Bewaffnete Banden operieren mit Schnellbooten entlang der Küste, Ende 2005 griffen sie sogar ein Kreuzfahrtschiff an. Ausgerechnet die Islamisten jedoch boten dem Treiben der Seeräuber weitgehend Einhalt: Sie entwaffneten die vielen Clan-Milizen, die durch die Piraterie verdienten. Dass die Äthiopier das Regime der Islamisten beseitigten, kam den Banden nur zupass - sie erhielten ihre früheren Einkommensquellen zurück.

Zur Ausgabe
Artikel 48 / 104
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.