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Wiener Kampf um Federkrone

aus DER SPIEGEL 42/1993

Helmut Zilk, 66, Bürgermeister der Bundeshauptstadt Wien, empört sich über Kritik aus Frankfurt. Der Frankfurter Stadtrat für multikulturelle Angelegenheiten, Daniel Cohn-Bendit, teilte Zilk brieflich sein Befremden mit, weil Polizeikräfte »eine vor dem Völkerkundemuseum Wien demonstrierende Aztekengruppe . . . unter Gewaltanwendung und Körperverletzungen« entfernten. Dabei hätten die dort nur friedlich ihr Anliegen vertreten, »die im Museum ausgestellte Federkrone des letzten Aztekenherrschers wieder zurückzubekommen«. Tatsächlich hatten mexikanische Indianer unter der Führung ihres selbsternannten Häuptlings Xokonoschtletl für die Rückgabe einer Federkrone demonstriert, bei der es sich allerdings nicht um jene Montezumas handeln soll, sondern nur um den Kopfschmuck eines Hohepriesters. Auch die Ereignisse rund um die Demonstration selbst hat Zilk anders in Erinnerung. Sein Büro sei »mit Beschwerden über das stundenlange Trommeln der ,Azteken' auf dem Stephansplatz regelrecht überflutet worden«, erinnert sich Zilk und gibt dem Frankfurter Kulturstadtrat den Rat, vor der eigenen Tür zu kehren und nicht den Wienern Fremdenfeindlichkeit vorzuwerfen: »Ich empfehle dem Herrn Cohn-Bendit, besser darauf zu achten, daß in der Bundesrepublik keine Türken geröstet werden.«

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