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MODERNES LEBEN Wilder Westen, roter Osten

aus DER SPIEGEL 38/1992

In der guten alten Zeit war die Welt noch in Ordnung, und jeder wußte, wo der Feind stand. Im Osten herrschte der Bolschewik, knechtete und knebelte alle Völker, die ihm untertan waren, und versuchte, durch Unterwanderung und lügnerische Propaganda, das Reich der Freiheit zu zerstören. Im Westen hingegen wohnte die Dekadenz, der Yankee wusch die Gehirne und manipulierte die Köpfe so heimtückisch, daß die Unterdrückten gar nicht merkten, wie sie versklavt und gesteuert wurden. Der Kalte Krieg, so scheint es, ist endgültig vorbei - denn nun beschäftigen sich die Historiker mit ihm. Und wenngleich die sich über die Bewertung der realen und symbolischen Konflikte durchaus nicht einig sind, so drängt sich doch bei der Durchsicht der Beweisstücke ein Schluß unbedingt auf: Die dreisten Propagandalügen richteten sich vor allem ans eigene Volk; man brauchte den Feind, um sich seiner selbst gewiß zu werden. Das Deutsche Historische Museum zeigt (bis zum 24. November) im Berliner Zeughaus höchst aufschlußreiche und skurrile Plakate und Dokumente, der Katalog (52 Mark) ist im Argon Verlag erschienen und präsentiert Aufsätze und Untersuchungen über Kalte Krieger und heiße Köpfe.

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