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Wilhelm II. und der Erste Weltkrieg "Seine Schuld ist viel größer, als gemeinhin unterstellt wird"

Der Erste Weltkrieg gilt als die Urkatastrophe der deutschen Geschichte. Hier erklärt Historiker John Röhl, welche Verantwortung der Hohenzollern-Kaiser daran trug. Ein SPIEGEL+-Bestseller.
aus DER SPIEGEL 8/2004
Kaiser Wilhelm II. (1917)

Kaiser Wilhelm II. (1917)

Foto: dpa

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Dieser Text gehört zur Reihe "Bestseller von SPIEGEL+", er ist zuerst erschienen im SPIEGEL 08/2004.

Der Historiker John Röhl, Sohn einer englischen Mutter und eines deutschen Vaters, lehrte bis 1999 Europäische Geschichte an der University of Sussex in Südengland.

SPIEGEL: Professor Röhl, am 1. August 1914 sagte der französische Botschafter in Berlin, Jules Cambon, zu seinem britischen Kollegen: "Heute Abend gibt es drei Leute in Berlin, die bedauern, dass der Krieg begonnen hat: Sie, ich und Kaiser Wilhelm!" Hat Wilhelm II. den Ersten Weltkrieg nicht gewollt?

Röhl: Er hat ihn so, wie er gekommen ist, nicht gewollt.

SPIEGEL: Einen begrenzten Waffengang hat Wilhelm demnach aber schon angestrebt?

Röhl: Ja, obwohl zugegebenermaßen seine Reaktion auf das Attentat von Sarajevo am 28. Juni 1914 zunächst nicht sehr kriegerisch war. Er segelte gerade in der Kieler Förde, als Admiral von Müller ihn unterrichtete. Wilhelm fragte dann Müller: "Meinen Sie, ich soll die Regatta abbrechen?" Er wusste gar nicht, was er tun sollte. Und auch in den folgenden Tagen war von Kriegstreiberei nichts zu spüren. Man kann noch nicht einmal sagen, dass er unschlüssig war. Er ging einfach nicht davon aus, dass noch Verwicklungen kommen würden.

SPIEGEL: Aber Sie haben doch - ähnlich wie Fritz Fischer - behauptet, dass Berlin bereits seit 1912 einen Krieg "vorsätzlich" geplant habe. Dazu passt die Reaktion Wilhelms nicht.

Röhl: Ich will das nicht zurückziehen, aber ich weise darauf hin, dass ich hinter die Formulierung vom "vorsätzlichen Krieg" ein Fragezeichen gesetzt habe. Sicher ist eines: Die Berater des Kaisers sprachen seit 1911 davon, dass in wenigen Jahren der optimale Zeitpunkt für einen Krieg kommen würde. Sie wollten die deutsche Vorherrschaft in Europa erreichen, hegten aber die Sorge, dass das Kräfteverhältnis sich langfristig zu Ungunsten Deutschlands verschieben würde.

SPIEGEL: Aber was wollte Wilhelm?

Röhl: Am 3. oder 4. Juli - genau wissen wir das nicht - notierte der Kaiser am Rand eines Dokuments: "Jetzt oder nie. Mit den Serben muss aufgeräumt werden, und zwar bald." Das war ein Plädoyer für einen Krieg Österreich-Ungarns gegen Serbien.

SPIEGEL: Woher rührte der Wandel Wilhelms?

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