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PERSONALIEN Wilhelmine Lübke, Theodor Schulz, Heinz Kühn, Karl Josef Partsch, John Steinbeck, Willi Weyer, Gustav Bosselmann

aus DER SPIEGEL 5/1969

Wilhelmine Lübke, 83, Präsidenten-Frau, überreichte vergangenen Donnerstag Dankes-Urkunden an Vertreter von 25 Tageszeitungen, die sich durch kostenlose Werbung und finanzielle Unterstützung um die »Aktion Gemeinsinn« verdient gemacht hatten. Nach dem Dank sprach die »Gemeinsinn«-Schirmherrin auch Tadel aus, als sie von ihrem Mann Heinrich erzählte: »Sobald er sein Amt niedergelegt hat, geht er nach Rom. Er ist von der deutschen Presse nicht gut behandelt worden. Besonders vom SPIEGEL nicht.« Wilhelmine Lübke weiter: »In Rom wird er sich erst einmal gesundpflegen.«

Theodor Schulz, 49, Oberstleutnant im Referat Wehraufklärung des Verteidigungsministeriums, sprach einem Reserveoffizier das Recht ab, über Griechenlands Militärregierung zu urteilen. In einem Brief an das Verteidigungsministerium hatte der Offizier erklärt, er werde sich nicht an seinen Wehreid gebunden fühlen, falls die Bundeswehr wegen eines von Athen heraufbeschworenen Konflikts ihrer Nato-Bündnispflicht nachkommen müsse -- zugunsten eines Landes, »in dem Freiheit und Demokratie unterdrückt werden«. Aufklärer Schulz beschied den Protestanten: »Niemand von uns ist in der Lage, die innenpolitischen Gegebenheiten eines anderen Landes zu überblicken oder gar zu bewerten. Urteile von Deutschen über die Vorgänge in Griechenland muten daher nicht weniger vermessen an, als wenn Griechen über unseren Bundeskanzler oder Außenminister den Stab brechen wollten.«

Heinz Kühn, 56, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, erzählte in der Bonner Beethovenhalle Freunden: »Wissen Sie, ich beantrage gerade für meinen Kultusminister Holthoff Wiedergutmachung.« Der Sozialdemokrat erläuterte: »Sie erinnern sich doch daran, daß Gerstenmaier ihn einen Trommelbuben Hitlers geschimpft hat. Als aber der Holthoff noch Pimpf bei der HJ war, saß der Gerstenmaier bereits auf dem hohen Roß. Deshalb beantrage ich jetzt für meinen Kultusminister ein Pferd.«

Karl Josef Partsch, 54, Rektor der Bonner Universität und ehemaliger Konsul in Neapel, verriet vorletzte Woche Bonner Journalisten, warum er 1957 den Bundes-Dienst quittierte: »Bonn wollte nur Berichte aus dem Ausland entgegennehmen, die in das Konzept paßten; und mich erinnerte das immer an den Befehl: 'Der Führer wünscht keine ungünstigen Berichte über die Bundesgenossen.'« Der Ex-Konsul: »Es gibt nichts Schrecklicheres, als seine persönliche Auffassung an der Garderobe abgeben zu müssen.«

John Steinbeck, 22, Ex-GI, demonstrierte vor der US-Botschaft in Saigon. Zusammen mit dem buddhistischen Mönch Nguyen Tranh Nam, der wegen seiner Angewohnheit, auf Baumwipfeln zu meditieren, »Kokosnuß-Prophet« geheißen wird, versuchte der junge Amerikaner, Botschafter Ellsworth Bunker eine Resolution zu überreichen. 1967 hatte der Vater des Demonstranten, der verstorbene Literatur-Nobelpreisträger John Steinbeck, in Berichten aus Vietnam gegen die »dümmlichen ... schlurfenden Protestmärsche« der Vietnamkriegs-Gegner gewettert, die Vietcong als »Hurensöhne« beschimpft und sich beim Anblick der Hände amerikanischer Piloten an die »sicheren Hände von Casals auf dem Cello« erinnert. Der Sohn dagegen berichtete später, 75 Prozent der US-Soldaten in Vietnam nähmen Rauschgift. Heute lebt Steinbeck jun. mit dem »Kokosnuß-Propheten« und dessen Anhängern auf einer kleinen Insel im Mekong-Delta und nennt sich einen adoptierten Sohn des Mönchs. Beim Saigoner US-Botschafter wurden der Bambusflöte spielende Amerikaner und der Prophet nicht vorgelassen, obwohl sie -- so Steinbeck -- »nicht gegen den Krieg. sondern für den Frieden demonstrierten«.

Willi Weyer, 51, Innenminister von Nordrhein-Westfalen, möchte seine Kollegen zum Tragen bequemerer Dienstkleidung animieren. Vergangene Woche erschien der Freidemokrat nach dreimonatiger Krankheit im weißen Rollkragen-Pullover zur Kabinettsitzung und erklärte: »Mein Arzt hat mir gesagt, ich muß mich nach meiner Lungenentzündung noch warmhalten. Da gab's drei Möglichkeiten: ein Mädchen, Angora-Unterwäsche oder Pullover. Ich fand, die Angora-Wäsche würde das Mädchen stören.« Weyer nach der Sitzung über seinen neuen Minister-Look: »Ich hoffe, das wird Nachahmer finden.«

Gustav Bosselmann, 53, Justizminister von Niedersachsen, fährt im Dienst einen Wilderer-Wagen. Nachdem der schwarze Minister-Mercedes 230 (Baujahr 1967) während einer Fahrt von Soltau nach Hannover bei Tachostand 160 000 mit irreparablem Motorschaden liegengeblieben war und der neue Wagen aus Etatgründen erst für Februar bestellt werden konnte, wies Ministerialrat Hans Friedrich Rebwinkel, 47, den Ausweg aus der Kalamität. Der Haushaltssachbearbeiter bot dem Minister einen BMW 2000 C Automatic (Tachostand: 6000 Kilometer) an, der im August 1967 von einem Hamburger Kaufmann wegen Jagdwilderei im niedersächsischen Welle vom Gericht eingezogen worden war und versteigert werden sollte. Bosselmann nahm das Angebot an, verzichtete jedoch darauf, am perlweißen BMW-Coupé (Neuwert: 17 750 Mark) sein Amtskennzeichen (NL-6-1) anbringen zu lassen. Der Christdemokrat: »Ich glaube kaum, daß der Steuerzahler Verständnis dafür hat, wenn ein Minister so ein Luxus-Auto fährt.«

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