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Willy Brandt

aus DER SPIEGEL 42/1992

wurde am 18. Dezember 1913 als Herbert Frahm in Lübeck geboren. Der uneheliche Sohn einer Konsum-Verkäuferin wuchs beim Großvater auf, der als Knecht aus Mecklenburg gekommen war. Schon als 16jähriger engagierte sich Brandt in der SPD, emigrierte 1933 nach Norwegen und wurde in Nazi-Deutschland 1938 ausgebürgert.

Von 1957 bis 1966 war Brandt Regierender Bürgermeister von Berlin, 1964 wählte ihn die Partei als Nachfolger Erich Ollenhauers zum Vorsitzenden. 1966 wurde er Außenminister der Regierung Kiesinger, 1969 Kanzler der sozial-liberalen Koalition. Er versprach, »mehr Demokratie« zu wagen, machte sich 1972 aber auch für den Radikalenerlaß stark.

Brandts Lebensleistung ist die Deutschland- und Ostpolitik. Mit den Verträgen von Moskau und Warschau 1970 erkannte die Bundesrepublik die Folgen des Zweiten Weltkrieges an. 1971 erhielt Brandt den Friedensnobelpreis.

Zermürbt trat der Kanzler nach innerparteilichen Querelen 1974 zurück, nachdem der Kanzleramtsspion Günter Guillaume enttarnt worden war. 1983 führte Brandt die SPD zu einem spektakulären Votum gegen den Nato-Doppelbeschluß.

Nach einem törichten Streit um die als Pressesprecherin vorgesehene parteilose griechische Journalistin Margarita Mathiopoulos trat er 1987 vom SPD-Vorsitz zurück.

Im Oktober 1991 unterzog sich Brandt einer Darmkrebs-Operation. Er wurde nicht mehr gesund; im Mai wurde er erneut am Darm operiert. Willy Brandt starb am vorigen Donnerstag, 78jährig, in seinem Haus in Unkel am Rhein.

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