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PERSONALIEN Willy Brandt, Franz-Josef Strauß, Werner Dollinger, Kai-Uwe von Hassel, Lyndon Baines Johnson, Winifred Wagner, Achmed Sukarno

aus DER SPIEGEL 35/1967

Willy Brandt, 53, Vizekanzler und Bundesaußenminister (SPD), kam am vergangenen Donnerstag von seiner USA-Reise mit einer Stunde Verspätung zurück. Grund: Zum viertenmal innerhalb von drei Wochen mußte ein Flugzeug, das der Vizekanzler benutzen wollte, aus technischen Gründen den Start verschieben. Eine Bundeswehr-»Convair«, die Brandt Ende Juli zur Beerdigung von Thomas Dehler nach Nürnberg bringen sollte, mußte wegen eines Kabelbrands den Start abbrechen; eine Düsenmaschine vom Typ HFB 320 Hansa Jet konnte den Außenminister Anfang August nicht aus Rumänien zurückbringen, da das Flugzeug nachts von Unbefugten betreten worden war und Sicherheitsoffiziere Sabotage befürchtet hatten; am vergangenen Montag mußte die Lufthansa-Maschine, mit der Brandt von Köln-Wahn aus in die USA fliegen wollte, wegen eines Triebwerkschadens in Frankfurt notlanden; am Mittwochabend um 19 Uhr, als der Lufthansa-Flug nach Köln auf dem New Yorker Kennedy-Flugplatz starten sollte, erklärte Passagier Brandt im VIP-Raum des Flughafens seinen reisefertigen Begleitern: »Setzen Sie sich doch wieder. Die Maschine ist wieder kaputt.« Einem Angestellten der deutschen Fluglinie, der erläuterte, es handle sich diesmal um einen »Antennenschaden«, entgegnete der Minister: »Ich glaube eher, es ist ein Dachschaden.« 90 Minuten später konnte Brandt eine Linienmaschine besteigen, die nach Köln umgeleitet wurde. Unberührt studierte der Sozialdemokrat während des verspäteten Rückflugs das US-Herrenmagazin »Playboy«.

Franz-Josef Strauß, 51, Bundesfinanzminister und CSU-Vorsitzender, kommentierte während der letzten CSU-Landesvorstandssitzung in München ein geplantes Volksbegehren zur Bildung der »christlichen Schule« (Gemeinschaftsschule mit nach Bekenntnissen getrennten Klassen) und die Haltung der katholischen Kirche zu dieser Frage: »Wenn einer das 1945 in der CSU vertreten hätte, was heute die Kirchen vertreten, dann wäre er ausgeschlossen worden. Ich erinnere nur an den Besuch von (Chruschtschows Schwiegersohn) Adschubej beim Papst.« Daraufhin der bayrische Landwirtschaftsminister Alois Hundhammer: »Ja, und wer hätte 1945 gedacht, daß der Schwiegersohn Chruschtschows auf seiner Fahrt nach Rom zum Papst vorher bei mir Station macht.

Werner Dollinger, 48, Bundespostminister (CSU), wurde während eines Rundgangs durch das Hauptpostamt Wiesbaden von einem 15jährigen Postjungboten gestellt und gefragt: »Herr Minister, halten Sie es für richtig, daß wir im Unterricht Postleitzahlen auswendig lernen müssen?« Dollinger: »Ich bin der Meinung, daß die Postleitzahlen nicht in die Köpfe, sondern auf die Sendungen gehören. Ich werde dafür sorgen, daß die Ausbildungsvorschriften geändert werden.«

Kai-Uwe von Hassel, 54, Bundesvertriebenenminister (CDU), suchte während seines Urlaubs im schleswig-holsteinischen Glücksburg im Garten seines Hauses einen passenden Standort für seine Gartenzwerge, die die Züge von Charles de Gaulle, Ludwig Erhard, Konrad Adenauer und Willy Brandt tragen. Die Polit-Zwerge, Geschenke von Wählern und Mitarbeitern, standen während Hasseis Amtszeit als Verteidigungsminister im Garten des Minister-Bungalows auf der Hardthöhe und wurden dort allen prominenten Besuchern vorgestellt. Nach seinem Umzug ins Vertriebenenministerium brachte Hassel die Figuren nach Glücksburg. Um sie dort vor Witterungseinflüssen zu schützen, will Hassel die Zwerge jetzt mit Nagellack anstreichen. Der Minister: »Wir haben viel Spaß an den kleinen Kerlen.« Otto W. Fischer, 52, österreichischer Filmschauspieler ("Das letzte Rezept"), der bei den Salzburger Festspielen die Hauptrolle in Hofmannsthals Salonkomödie »Der Schwierige« spielte (Partnerin: Christiane Hörbiger, 28), zeigte bei der Premiere »etwas aufgesetzt Abwesendes ... zerdehnte und zerhackte« den Text und wiederholte »flüsternd Worte« ("Süddeutsche Zeitung"). Fischer über seine »Schwierigen«-Darstellung: »Ich stand während der Probe unter dem Einfluß einer Droge. Darum war ich so schlecht.« Der Schauspieler, der in Salzburg zum erstenmal seit 17 Jahren wieder auf der Bühne stand, hatte sich gegen sein Lampenfieber von einer Kollegin eine Beruhigungstablette geben lassen, fühlte sich nach der Vorstellung jedoch von der Helferin getäuscht: »Die Kollegin sagte, die Pille ist ganz harmlos. Immerhin war sie schuld, daß ich die Premiere geschmissen habe.«

Lyndon Baines Johnson, 58, US-Präsident, wurde während des Besuchs von Bundeskanzler Kiesinger in Washington von einem Referenten unterrichtet, sein nächster Staatsgast sei Präsident Kayibanda aus (dem ostafrikanischen Staat) Ruanda. Johnson fragte den Informanten; »Ruanda, wo ist das?« Der Referent: »Nördlich von Burundi.« Der Präsident: »Zum Teufel, wovon reden Sie eigentlich?«

Winifred Wagner, 70, Schwiegertochter Richard Wagners und einstige Vertraute Adolf Hitlers, die »immer noch an den Endsieg des Führers glaubt« (so ihre Enkel), empfing am vergangenen Mittwoch die Tochter des ehemaligen Reichsmarschalls Hermann Göring, Edda, im Bayreuther Wagner-Domizil »Haus Wahnfried« zu einem Kaffeeplausch. Anschließend sahen sich Winifred Wagner, Edda Göring und der NS-Filmregisseur Karl Ritter ("Stukas«, »... über alles in der Welt") von der Wagner-Loge aus eine »Lohengrin« -Inszenierung im Festspielhaus auf dem »Grünen Hügel« an, Winifred Wagners Logen-Gast bei der »Lohengrin«-Premiere vor 14 Tagen war der Vorsitzende der Bayreuther NPD-Stadtratsfraktion, Ex-Generalmajor Adolf Wolf.

Achmed Sukarno, 66, entmachteter Staatspräsident von Indonesien, weigerte sich, für den indonesischen Nationalfeiertag (am 17. August) die Traditions-Staatsflagge herauszugeben. Der auf seinen Sommersitz außerhalb der indonesischen Hauptstadt verbannte Politiker, der noch den Schlüssel zum Flaggenschrank im Präsidenten-Palast in Djakarta verwahrt, erklärte einem vom amtierenden Staatspräsidenten Suharto gesandten Bittsteller: »Das ist meine Fahne. Meine Frau hat sie genäht.« Um die Flagge, die seit der Proklamation des Staates Indonesien (1945) jedes Jahr am Unabhängigkeitstag gehißt wurde, auch zur diesjährigen Feier aufziehen zu können, entließ Suharto schließlich die gesamte (200 Mann starke) Leib- und Palastwache Sukarnos; anschließend wurde der unbewachte Flaggenschrank aufgebrochen.

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