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»WIR HABEN DIE RUSSEN EINGELADEN«

Wenige Wochen vor der sowjetischen Intervention in der Tschechoslowakei am 21. August 1968 hatte der oberste sowjetische Politoffizier, Armeegeneral Alexej Jepischew, erklärt, die sowjetische Armee sei bereit, »in der Tschechoslowakei einzugreifen, falls eine Gruppe tschechoslowakischer Kommunisten dorum ersuchen sollte«. Auch Ost-Berlin sprach von einem Hilferuf. In Prag hielt sich die Version, prominente tschechoslowakische Stalinisten hätten die Sowjet-Union 1968 zur Intervention gegen den Reformkurs des Parteichefs Dubcek aufgefordert. Wer genau den Einladungsbrief unterzeichnet hatte, blieb verborgen. (Der SPIEGEL nannte -- in Nr. 48/1968 -- neun Namen.) Erst auf der ZK-Sitzung am 11. Dezember 1970 wurde der geheimnisvolle Brief mit kompletter Liste der Unterzeichner vorgelegt -- als Waffe im Kampf der Partei-Ultras gegen Parteichef Husák. Einen Bericht über diese ZK-Sitzung mit einer Analyse der Rolle, die der Interventionsbrief von 1968 im Parteikampf von 1970/71 spielt, erhielt der SPIEGEL aus Prag von einem prominenten Tschechoslowaken, der um Geheimhaltung seines Namens gebeten hat.
aus DER SPIEGEL 1/1971
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